Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Wartezimmer
RAU
Jetzt ist es schon eine Stunde, Mist. Bist wirklich tapfer, Balu. Kriegst noch ein Leckerlie. Bist so ein Braver, wie ich auch, dabei weiß ich gar, ob das wirklich so gut ist. Immer brav zu sein. Ob man damit wirklich weit kommt? Vielleicht nur älter. Schau dich doch mal hier um, nur alte Leute mit ihren Lieblingen hocken hier. Klar, die haben ja auch Zeit, Donnerstagmorgen mit ihren Lieblingen zur Tierärztin zu gehen.
Wir beide sind die Jüngsten hier, eindeutig, und die Schönsten auch. Du brauchst nur eine neue Impfung, und dann sind wir wieder raus. Und ich brauche dringend eine Pause von der blöden Schule, wo mir gerade alles dermaßen gegen den Strich geht. Drei Fünfer drohen und damit Stand jetzt keine Versetzung, aber auf die schrecklichen Naturwissenschaften habe ich einfach keinen Bock. Verstehe auch nichts davon. Und mit Maja wird das wohl leider auch nix. Anton hat gestern geprahlt, dass er doch tatsächlich gestern in der Eisdiele mit ihr gequatscht hat. Mist. Riesengroßer Mist. Ach Balu, zum Glück habe ich dich. Das Leben ist gerade schrecklich, immerzu nur warten auf das, was wirklich zählt.
Jetzt heißt es doch tatsächlich, dass sich alles wegen eines Notfalls mindestens um eine Stunde nach hinten verschieben wird. Komm Balu, nix wie raus. All die vielen Alten hier drücken aufs Gemüt. Die haben ihr Leben doch gelebt so wie die blöde Oma auch. Die liebe Oma, die immer so viele lustige Ideen hatte, die hat leider der Krebs gebissen und liegt nun auf dem Friedhof. Ist das gerecht?
Ach Balu. So viel gelebtes Leben hier, und meins hat noch gar nicht wirklich angefangen. Kindheit vorbei und nun? Warten aufs richtige Leben? Und wann kommt das endlich, bitte schön? Wirklich hart, dieses schreckliche Warten. Und Maja verguckt sich jetzt hoffentlich nicht noch in den aalglatten, strunzdummen Anton?! Dann gehen nämlich alle Lichter auf einmal bei mir aus.
Komm Balu, gehen wir schnell rüber zur lieben Oma auf den Friedhof, dann kriegst du noch ein Leckerli. Und nächste Woche werde ich mir vor der Schule beim Späti endlich mein erstes Bier kaufen, endlich. Denn dann darf ich das. Nächsten Mittwoch werde ich nämlich endlich sechzehn.
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Jetzt ist es schon eine Stunde, Mist. Bist wirklich tapfer, Balu. Kriegst noch ein Leckerlie. Bist so ein Braver, wie ich auch, dabei weiß ich gar, ob das wirklich so gut ist. Immer brav zu sein. Ob man damit wirklich weit kommt? Vielleicht nur älter. Schau dich doch mal hier um, nur alte Leute mit ihren Lieblingen hocken hier. Klar, die haben ja auch Zeit, Donnerstagmorgen mit ihren Lieblingen zur Tierärztin zu gehen.
Wir beide sind die Jüngsten hier, eindeutig, und die Schönsten auch. Du brauchst nur eine neue Impfung, und dann sind wir wieder raus. Und ich brauche dringend eine Pause von der blöden Schule, wo mir gerade alles dermaßen gegen den Strich geht. Drei Fünfer drohen und damit Stand jetzt keine Versetzung, aber auf die schrecklichen Naturwissenschaften habe ich einfach keinen Bock. Verstehe auch nichts davon. Und mit Maja wird das wohl leider auch nix. Anton hat gestern geprahlt, dass er doch tatsächlich gestern in der Eisdiele mit ihr gequatscht hat. Mist. Riesengroßer Mist. Ach Balu, zum Glück habe ich dich. Das Leben ist gerade schrecklich, immerzu nur warten auf das, was wirklich zählt.
Jetzt heißt es doch tatsächlich, dass sich alles wegen eines Notfalls mindestens um eine Stunde nach hinten verschieben wird. Komm Balu, nix wie raus. All die vielen Alten hier drücken aufs Gemüt. Die haben ihr Leben doch gelebt so wie die blöde Oma auch. Die liebe Oma, die immer so viele lustige Ideen hatte, die hat leider der Krebs gebissen und liegt nun auf dem Friedhof. Ist das gerecht?
Ach Balu. So viel gelebtes Leben hier, und meins hat noch gar nicht wirklich angefangen. Kindheit vorbei und nun? Warten aufs richtige Leben? Und wann kommt das endlich, bitte schön? Wirklich hart, dieses schreckliche Warten. Und Maja verguckt sich jetzt hoffentlich nicht noch in den aalglatten, strunzdummen Anton?! Dann gehen nämlich alle Lichter auf einmal bei mir aus.
Komm Balu, gehen wir schnell rüber zur lieben Oma auf den Friedhof, dann kriegst du noch ein Leckerli. Und nächste Woche werde ich mir vor der Schule beim Späti endlich mein erstes Bier kaufen, endlich. Denn dann darf ich das. Nächsten Mittwoch werde ich nämlich endlich sechzehn.