Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Zu wem hältst du?
WIE
„Vergiss nicht, Samstag sind wir bei Tina und Torsten eingeladen.“ Tatsächlich, dass hätte er fast vergessen. Es war erst letzte Woche, dass seine Frau und Tina beschlossen, das Pokalfinale zusammen zu gucken. Irgendwie hatte es ihn schon gewundert, dass gerade die Frauen diesen Vorschlag machen. Aber nicht so schlimm, denkt er, Torsten nimmt Fußball glücklicherweise auch nicht so ernst. Denn 'Zusammenfußballgucken' ist nämlich nicht so sein Ding. Scheint er doch die Bedeutung von Fußballspielen etwas anderes einzuschätzen. So kann er die Frage, wer die bessere und wer die schlechtere Mannschaft ist, nicht so schnell beantworten. Die meisten wissen es sofort, die eigene Mannschaft ist natürlich die bessere und muss gewinnen. Er findet es aber auch normal, dass die Mannschaft, die besser spielt, auch gewinnen sollte. Warum soll die eigene Mannschaft, wenn sie langweilig und unmotiviert rumkickt, gewinnen? Doch das sehen andere nicht so. Bei der eigenen Mannschaft bedeutet zögerliches Spielen überlegte Taktik und das Warten auf Konterchancen. Trifft die eigene Mannschaft nicht ins Tor oder nur knapp daneben, wird es als großes Pech gesehen, das der eigenen Mannschaft beim verdienten Sieg im Wege steht. Und falsche Schiedsrichterentscheidungen kommen noch hinzu.
„Reni und Bert kommen auch“, hört er seine Frau rufen. Das dämpft die Freude für Samstag und das 'Zusammenfußballgucken' noch mehr. Denn die beiden sind knallhart fußballbegeistert. Und da muss man schon aufpassen, was man sagt. Denn das bedeutet nicht nicht nur Wettstreit zweier Mannschaften, sondern auch Diskussionen darüber, welche Bedeutung Fußball überhaupt hat. Die Meinung, 'ist doch bloß ein Spiel', kann alles andere als beruhigend wirken. Eher wie eine Brandbeschleuniger, wenn die Gemüter sowieso schon erhitzt sind. Vor allem wenn man dann vorwurfsvoll gefragt wird 'Sag mal, zu wem hältst du eigentlich?'
Er weiß, seine Sicht über Fußballbegeisterte ist auch nicht frei von Vorurteilen. Vielleicht ist seine Unterstellung falsch, dass alle Fußballfans ihre ausschließlich persönliche Sicht der Dinge als gesundes Selbstbewusstsein, als Ausdruck von Stolz und echten Gefühlen sehen. Womöglich sollte er sie besser nicht in einen Topf werfen mit Menschen in einem Stadion, die einem Präsidenten mit roter Mütze zu grölen, egal welche und verdrehten Wahrheiten und falsche Behauptungen er verkündet, und sich dabei als besonders authentisch fühlen.
Aber auch er fühlt sich auch irgendwie falsch verstanden, wenn ihm seine persönliche Sichtweise als fehlende Emotionalität und zu geringe Durchsetzungskraft ausgelegt wird. Jedenfalls passen diese unterschiedlichen Einstellungen nicht gut in ein Wohnzimmer, auf eine Terrasse, geschweige denn in eine Fußballkneipe oder eine Stadionkurve.
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Zu wem hältst du?
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„Vergiss nicht, Samstag sind wir bei Tina und Torsten eingeladen.“ Tatsächlich, dass hätte er fast vergessen. Es war erst letzte Woche, dass seine Frau und Tina beschlossen, das Pokalfinale zusammen zu gucken. Irgendwie hatte es ihn schon gewundert, dass gerade die Frauen diesen Vorschlag machen. Aber nicht so schlimm, denkt er, Torsten nimmt Fußball glücklicherweise auch nicht so ernst. Denn 'Zusammenfußballgucken' ist nämlich nicht so sein Ding. Scheint er doch die Bedeutung von Fußballspielen etwas anderes einzuschätzen. So kann er die Frage, wer die bessere und wer die schlechtere Mannschaft ist, nicht so schnell beantworten. Die meisten wissen es sofort, die eigene Mannschaft ist natürlich die bessere und muss gewinnen. Er findet es aber auch normal, dass die Mannschaft, die besser spielt, auch gewinnen sollte. Warum soll die eigene Mannschaft, wenn sie langweilig und unmotiviert rumkickt, gewinnen? Doch das sehen andere nicht so. Bei der eigenen Mannschaft bedeutet zögerliches Spielen überlegte Taktik und das Warten auf Konterchancen. Trifft die eigene Mannschaft nicht ins Tor oder nur knapp daneben, wird es als großes Pech gesehen, das der eigenen Mannschaft beim verdienten Sieg im Wege steht. Und falsche Schiedsrichterentscheidungen kommen noch hinzu.
„Reni und Bert kommen auch“, hört er seine Frau rufen. Das dämpft die Freude für Samstag und das 'Zusammenfußballgucken' noch mehr. Denn die beiden sind knallhart fußballbegeistert. Und da muss man schon aufpassen, was man sagt. Denn das bedeutet nicht nicht nur Wettstreit zweier Mannschaften, sondern auch Diskussionen darüber, welche Bedeutung Fußball überhaupt hat. Die Meinung, 'ist doch bloß ein Spiel', kann alles andere als beruhigend wirken. Eher wie eine Brandbeschleuniger, wenn die Gemüter sowieso schon erhitzt sind. Vor allem wenn man dann vorwurfsvoll gefragt wird 'Sag mal, zu wem hältst du eigentlich?'
Er weiß, seine Sicht über Fußballbegeisterte ist auch nicht frei von Vorurteilen. Vielleicht ist seine Unterstellung falsch, dass alle Fußballfans ihre ausschließlich persönliche Sicht der Dinge als gesundes Selbstbewusstsein, als Ausdruck von Stolz und echten Gefühlen sehen. Womöglich sollte er sie besser nicht in einen Topf werfen mit Menschen in einem Stadion, die einem Präsidenten mit roter Mütze zu grölen, egal welche und verdrehten Wahrheiten und falsche Behauptungen er verkündet, und sich dabei als besonders authentisch fühlen.
Aber auch er fühlt sich auch irgendwie falsch verstanden, wenn ihm seine persönliche Sichtweise als fehlende Emotionalität und zu geringe Durchsetzungskraft ausgelegt wird. Jedenfalls passen diese unterschiedlichen Einstellungen nicht gut in ein Wohnzimmer, auf eine Terrasse, geschweige denn in eine Fußballkneipe oder eine Stadionkurve.