Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Und selbst?
Gut, soweit. Obwohl, die Frage stellt sich in letzter Zeit ja häufiger, und sie möchte oft die richtige Antwort im Grunde genommen sich und anderen nicht geben. Dabei kennt sie sie ziemlich gut, die richtige Antwort, möchte sie aber selber oft einfach nicht wahrhaben.
Ihr Leben ist noch immer mehr als komfortabel, keine Frage. Wohnen, Essen, Gesundheit, Sozialkontakte, Schaffenskraft sind allesamt im guten Bereich. Und doch, bald jeden Tag liest sie Tipps, Vor- und Ratschläge zu Verbesserungen, die natürlich alle gut gemeint sind, aber eben auch weh tun, wie das eben mit Schlägen so ist. Reduziere dein Gewicht. Steigere deine Fitness. Trainiere dein Gedächtnis. Schlafe besser. Spiele Sudoku, lerne Spanisch, gehe in einen Tanzkurs.
Und selbst?
Gut, soweit.
Und sonst?
Seit einigen Jahren schon sammelt sie Müll in ihrem Kiez und spendet für Arche und Unicef, engagiert sich in der Obdachlosenhilfe, bei Omas gegen rechts und Omas for future, ist Lesepatin in einer Grundschule, Mentorin für eine junge Afghanin, besorgt die Einkäufe für ihre gehbehinderte Nachbarin. Kümmert sich regelmäßig um ihre zwei Enkelkinder. Und doch taumelt sie schon eine ganze Weile zwischen Sorge, Niedergeschlagenheit, Ohnmacht und Wut durch ihre eng getaktete Woche. Schläft schlecht und könnte manches Mal regelrecht verzweifeln. Oder sind es nur die üblichen Veränderungen einer Welt, die sie nicht mehr versteht, geschweige denn gutheißen kann und will. Einer Welt, die sich gravierend verändert hat.
Und selbst?
Gut, soweit.
Und sonst?
Nachts liegt sie oft wach und tagsüber hetzt sie sich doch recht kraftlos und nervös durch ihre Tage und vielleicht sogar unaufhaltsam in einen Burnout. So heißt es ja heute. Doch damit wäre nun wirklich niemandem und vor allem ihr nicht geholfen. Sie sollte langsam lernen, weniger zu machen. Termine und Verpflichtungen streichen, ohne schlechtes Gewissen. Warum nicht einfach mal nur wieder spazieren gehen, den Fluss betrachten, in den Himmel schauen, den Vögeln zuhören und dankbar für ein gutes Leben sein?
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Und selbst?
Gut, soweit. Obwohl, die Frage stellt sich in letzter Zeit ja häufiger, und sie möchte oft die richtige Antwort im Grunde genommen sich und anderen nicht geben. Dabei kennt sie sie ziemlich gut, die richtige Antwort, möchte sie aber selber oft einfach nicht wahrhaben.
Ihr Leben ist noch immer mehr als komfortabel, keine Frage. Wohnen, Essen, Gesundheit, Sozialkontakte, Schaffenskraft sind allesamt im guten Bereich. Und doch, bald jeden Tag liest sie Tipps, Vor- und Ratschläge zu Verbesserungen, die natürlich alle gut gemeint sind, aber eben auch weh tun, wie das eben mit Schlägen so ist. Reduziere dein Gewicht. Steigere deine Fitness. Trainiere dein Gedächtnis. Schlafe besser. Spiele Sudoku, lerne Spanisch, gehe in einen Tanzkurs.
Und selbst?
Gut, soweit.
Und sonst?
Seit einigen Jahren schon sammelt sie Müll in ihrem Kiez und spendet für Arche und Unicef, engagiert sich in der Obdachlosenhilfe, bei Omas gegen rechts und Omas for future, ist Lesepatin in einer Grundschule, Mentorin für eine junge Afghanin, besorgt die Einkäufe für ihre gehbehinderte Nachbarin. Kümmert sich regelmäßig um ihre zwei Enkelkinder. Und doch taumelt sie schon eine ganze Weile zwischen Sorge, Niedergeschlagenheit, Ohnmacht und Wut durch ihre eng getaktete Woche. Schläft schlecht und könnte manches Mal regelrecht verzweifeln. Oder sind es nur die üblichen Veränderungen einer Welt, die sie nicht mehr versteht, geschweige denn gutheißen kann und will. Einer Welt, die sich gravierend verändert hat.
Und selbst?
Gut, soweit.
Und sonst?
Nachts liegt sie oft wach und tagsüber hetzt sie sich doch recht kraftlos und nervös durch ihre Tage und vielleicht sogar unaufhaltsam in einen Burnout. So heißt es ja heute. Doch damit wäre nun wirklich niemandem und vor allem ihr nicht geholfen. Sie sollte langsam lernen, weniger zu machen. Termine und Verpflichtungen streichen, ohne schlechtes Gewissen. Warum nicht einfach mal nur wieder spazieren gehen, den Fluss betrachten, in den Himmel schauen, den Vögeln zuhören und dankbar für ein gutes Leben sein?