Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Stillhalten
Ist nicht so ihr Ding, noch nie gewesen. Schon als Kind galt sie als Zappelphilipp und wurde von allen dafür immerzu ermahnt und geschimpft.
Nu bleib‘ doch mal ruhig sitzen.
Sei doch mal still.
Reiß Dich zusammen.
Ist ja schrecklich mit dir.
Du bist aber auch eine nervöse Hummel.
Mutter, Vater, Oma, Geschwister, Lehrer:innen, alle hackten immerzu auf ihr herum. Im Sportverein ging es noch am ehesten, denn da war ja Bewegung gewünscht. Am liebsten aber war Opa Leo mit ihr, wenn sie wieder die Unruhe packte, dann nahm er ihre Hand und drückte sie ganz feste oder klopfte mit den Händen neben sich, und sie setzte sich auf die Lehne seines Sessels oder auf seinen Schoß und lehnte sich an ihn und seinen dicken Bauch, hörte sein Herz schlagen und spürte seine Hände und seine Ruhe. Das beruhigte wie nichts anderes auf der Welt. Bei Opa Leo fühlte sie sich sicher. Überall sonst galt es sich durchzuschlagen und zu kämpfen.
Opa Leo ging mit ihr auch zu den Tieren in Park und in den Zoo, Tauben füttern am Fluss, und natürlich die Eichhörnchen. Denen fühlte sie sich gleich verbunden, so schnell und zackig wie die sich bewegen. Und er hörte sich auch geduldig all ihre Geschichten an, die nur so heraus purzelten aus ihrem Mund. Und dann sprachen sie über das, was ihr immerzu einfiel, und er gab ihr einen guten Rat. Mach weiter so und halte bloß nie die Klappe. Schweiger habe wir genug auf der Welt.
Das hat sie sich sehr zum Herzen genommen, ihr ganzes Leben schon. Denkt sich Geschichten aus und mischt sich ein, wenn es mal wieder nicht mit rechten Dingen zugeht da draußen. Und den Zappelphilipp hat sie auch immer noch in sich, und wenn er mal wieder ganz arg wird, denkt sie an ihren Opa Leo, spürt seine Hand in ihrer oder auf ihrem Kopf, spürt seinen dicken Bauch und wird augenblicklich ruhiger.
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Stillhalten
Ist nicht so ihr Ding, noch nie gewesen. Schon als Kind galt sie als Zappelphilipp und wurde von allen dafür immerzu ermahnt und geschimpft.
Nu bleib‘ doch mal ruhig sitzen.
Sei doch mal still.
Reiß Dich zusammen.
Ist ja schrecklich mit dir.
Du bist aber auch eine nervöse Hummel.
Mutter, Vater, Oma, Geschwister, Lehrer:innen, alle hackten immerzu auf ihr herum. Im Sportverein ging es noch am ehesten, denn da war ja Bewegung gewünscht. Am liebsten aber war Opa Leo mit ihr, wenn sie wieder die Unruhe packte, dann nahm er ihre Hand und drückte sie ganz feste oder klopfte mit den Händen neben sich, und sie setzte sich auf die Lehne seines Sessels oder auf seinen Schoß und lehnte sich an ihn und seinen dicken Bauch, hörte sein Herz schlagen und spürte seine Hände und seine Ruhe. Das beruhigte wie nichts anderes auf der Welt. Bei Opa Leo fühlte sie sich sicher. Überall sonst galt es sich durchzuschlagen und zu kämpfen.
Opa Leo ging mit ihr auch zu den Tieren in Park und in den Zoo, Tauben füttern am Fluss, und natürlich die Eichhörnchen. Denen fühlte sie sich gleich verbunden, so schnell und zackig wie die sich bewegen. Und er hörte sich auch geduldig all ihre Geschichten an, die nur so heraus purzelten aus ihrem Mund. Und dann sprachen sie über das, was ihr immerzu einfiel, und er gab ihr einen guten Rat. Mach weiter so und halte bloß nie die Klappe. Schweiger habe wir genug auf der Welt.
Das hat sie sich sehr zum Herzen genommen, ihr ganzes Leben schon. Denkt sich Geschichten aus und mischt sich ein, wenn es mal wieder nicht mit rechten Dingen zugeht da draußen. Und den Zappelphilipp hat sie auch immer noch in sich, und wenn er mal wieder ganz arg wird, denkt sie an ihren Opa Leo, spürt seine Hand in ihrer oder auf ihrem Kopf, spürt seinen dicken Bauch und wird augenblicklich ruhiger.