Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Sonntags
„Was verbindest du mit Sonntagen“, fragt mich Maren am Frühstückstisch, nachdem die Kirchenglocken bereits eine ganze Weile durchs Fenster dröhnen. Ich warte bis es ruhig ist:
„Im Privaten haben wir ja viel Sonntägliches hinter uns gelassen. Guck mal, wir sitzen hier im Schlafanzug am Küchentisch, Aufschnitt und Zutaten liegen rum, noch nicht mal richtig ausgepackt. Weit entfernt von den Servierplatten und der Butterglocke, wie es sie bei uns zu Hause gab.“
„Wir waren sonntags gut gekleidet und frisiert, frischer Stuten, geschnittener Käse und Wurst lagen übersichtlich auf Platten, das Sonntagsei war das beste. Banalitäten wie Schmierkäse, Margarine oder Schokostreusel gab es nicht. Statt WDR Morgenmagazin lief klassische Musik.“
„Hör bloß auf“, mische ich mich wieder ein, „klassische Musik, die hat für mich nahezu immer was Sonntägliches. Vor allem, wenn sie in Wohnzimmern läuft, zum Beispiel Bach, Brandenburgische Konzert.
„Ja, mittlere und ruhige Lagen. Sonntags gab es keine Diskussionen. Dabei war es der einzige Tag, an dem Papa zu Hause war. Sonst hieß es, da musst du deinen Vater fragen. Und dann hieß es: müssen wir das heute besprechen, es ist Sonntag.“
„Gibt es eigentlich auf der ganzen Welt Sonntage?“ beginne ich zu überlegen. „Würdest du in einer Kultur leben wollen, wo es keine Sonntage gibt, also nicht so streng wie bei uns, wo die Geschäfte offen sind, die Leuten handeln, waren transportieren und es einfach nicht so ruhig ist?“
„Liebend gerne“, lautet ihre Antwort ohne lange zu überlegen. Doch wird sie auch stutzig. Ich gebe ja zu, das alles hat was Verbindendes. Wenn Einkaufszonen und Parkplätze leer sind, aber Autobahnen, Wanderparkplätze und Gartenrestaurants voll. Irgendwie hat das was, diese Besonderheiten, die man mit allen teilt, über die man sich nicht wundert. Ich hatte mal einen Gast aus Indien, der fand das alles ganz komisch. Er sagte nur, bei uns ist es nie still. Es gibt keinen stillen Tag in der Woche. Das war mir schon klar, das ist ein Stück Heimat, Identifikation, diese Normalität, mit der ich das wahrnehme. Obwohl es ja mich eigentlich kolossal nervt, diese Zurückgezogenheit in Wohnungen, Gärten, hinter Hecken und Zäunen. Diese Leere auf Straßen.“
Maren überlegt weiter: „Als Jugendliche haben wir vor allem dem Sonntäglichen entfliehen wollen. In Partykellern, im eigenen Zimmer, mit Kopfhörern auf den Ohren, haben uns am Telefon mit Freundinnen über die spießige Langeweile beschwert. Und dann hast du irgendwann Sonntags im Zimmer auf dem Bett rumgehangen und rumgeknutscht. Gab ja sonst nix. Und ursprünglich dachte ich noch, dann passiert was Schlimmes, aber guck da, klein Blitz und kein Donner, allenfalls energisches Klopfen von Vater oder Mutter an Tür.“
„Dabei ist Sonntag der häufigste Tag fürs Kindermachen.“
„Wochentags kommst du ja kaum dazu.“
„Darum haben sie ja auch die Sendung mit der Maus und so was erfunden. Endlich mal Ruhe.“
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Sonntags
„Was verbindest du mit Sonntagen“, fragt mich Maren am Frühstückstisch, nachdem die Kirchenglocken bereits eine ganze Weile durchs Fenster dröhnen. Ich warte bis es ruhig ist:
„Im Privaten haben wir ja viel Sonntägliches hinter uns gelassen. Guck mal, wir sitzen hier im Schlafanzug am Küchentisch, Aufschnitt und Zutaten liegen rum, noch nicht mal richtig ausgepackt. Weit entfernt von den Servierplatten und der Butterglocke, wie es sie bei uns zu Hause gab.“
„Wir waren sonntags gut gekleidet und frisiert, frischer Stuten, geschnittener Käse und Wurst lagen übersichtlich auf Platten, das Sonntagsei war das beste. Banalitäten wie Schmierkäse, Margarine oder Schokostreusel gab es nicht. Statt WDR Morgenmagazin lief klassische Musik.“
„Hör bloß auf“, mische ich mich wieder ein, „klassische Musik, die hat für mich nahezu immer was Sonntägliches. Vor allem, wenn sie in Wohnzimmern läuft, zum Beispiel Bach, Brandenburgische Konzert.
„Ja, mittlere und ruhige Lagen. Sonntags gab es keine Diskussionen. Dabei war es der einzige Tag, an dem Papa zu Hause war. Sonst hieß es, da musst du deinen Vater fragen. Und dann hieß es: müssen wir das heute besprechen, es ist Sonntag.“
„Gibt es eigentlich auf der ganzen Welt Sonntage?“ beginne ich zu überlegen. „Würdest du in einer Kultur leben wollen, wo es keine Sonntage gibt, also nicht so streng wie bei uns, wo die Geschäfte offen sind, die Leuten handeln, waren transportieren und es einfach nicht so ruhig ist?“
„Liebend gerne“, lautet ihre Antwort ohne lange zu überlegen. Doch wird sie auch stutzig. Ich gebe ja zu, das alles hat was Verbindendes. Wenn Einkaufszonen und Parkplätze leer sind, aber Autobahnen, Wanderparkplätze und Gartenrestaurants voll. Irgendwie hat das was, diese Besonderheiten, die man mit allen teilt, über die man sich nicht wundert. Ich hatte mal einen Gast aus Indien, der fand das alles ganz komisch. Er sagte nur, bei uns ist es nie still. Es gibt keinen stillen Tag in der Woche. Das war mir schon klar, das ist ein Stück Heimat, Identifikation, diese Normalität, mit der ich das wahrnehme. Obwohl es ja mich eigentlich kolossal nervt, diese Zurückgezogenheit in Wohnungen, Gärten, hinter Hecken und Zäunen. Diese Leere auf Straßen.“
Maren überlegt weiter: „Als Jugendliche haben wir vor allem dem Sonntäglichen entfliehen wollen. In Partykellern, im eigenen Zimmer, mit Kopfhörern auf den Ohren, haben uns am Telefon mit Freundinnen über die spießige Langeweile beschwert. Und dann hast du irgendwann Sonntags im Zimmer auf dem Bett rumgehangen und rumgeknutscht. Gab ja sonst nix. Und ursprünglich dachte ich noch, dann passiert was Schlimmes, aber guck da, klein Blitz und kein Donner, allenfalls energisches Klopfen von Vater oder Mutter an Tür.“
„Dabei ist Sonntag der häufigste Tag fürs Kindermachen.“
„Wochentags kommst du ja kaum dazu.“
„Darum haben sie ja auch die Sendung mit der Maus und so was erfunden. Endlich mal Ruhe.“