Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Selbst ist der Mann
Im Drogeriemarkt gefiel es ihm, viel Zeit in der Babyabteilung zu verbringen. Als Mann vielleicht untypisch, für ihn als Vater einer kleiner Tochter überhaupt nicht. Er kümmerte sich gerne um praktische Sachen, Windeln, Unterlagen, Pflegeöl. Danach waren die verschiedenen Gemüsebreis an der Reihe. Zum Schluss ging es noch mal zu den Accessoires, Schnuller, Beißring mit Kühlwirkung, oft empfohlen, aber wenig wirksam. Abschließend zu den Socken für die Kleinen: Davon konnte man nie genug haben, damit kannte er sich aus.
Zwei Jahre später war er in der Kita-Betreuung dabei, elterliche Begleitung bei den Bastelarbeiten, die im Laufe eines Jahres so anfielen. Der Umgang mit Pappe und Papier lag ihm. Fensterdekorationen, Martins-Fackeln, Adventskalender oder Weihnachtskrippen, das alles ging ihm leicht von der Hand. Er zeichnete den Kindern vor, was sie brauchten. Osterhasen, Martins-Pferde, Rentiere, Ochs und Esel, Maria und die Hirten zeichnete er frei aus dem Kopf.
Genauso wie er beim Theaterstück Hänsel und Gretel dabei half, eine halbwegs ansehnliche Kulisse zu malen und für die Kinder die Requisiten herzustellen. Die meisten von ihnen erhielten eine Rolle als Fichte, im Wind wiegend, als Gartentörchen, öffnen und schließen, als Häslein und Rehkitz, zwischen den Zweigen hervorlugen. Das war alles vor über 25 Jahren, da war er als Mann im Klassenzimmer, in den Kinderabteilungen der Kaufhäuser oder beim Kindertanztheater so gut wie allein.
Der unangenehmste Termin im Jahr aber war der Tag, der explizit allen Väter galt. Hier sollte ihnen die Gelegenheit gegeben werden, am Schulleben der Kinder teilzunehmen. Es wurde ein Parcours mit diversen Sportaktivitäten aufgebaut: Fußball-Torwandschiessen, Fußballdribbeln, Dartscheiben-Werfen mit Saugnapf-Pfeilen und abschließend ein Tischtennis-Turnier, im Doppel, jeweils Vater mit Kind.
Selten fühlte er sich als Mann so deplatziert wie an diesem Tag. Sein Geschick an der Torwand war gleich Null, er wusste nicht, wie man einen Ball mehrmals mit dem Fuß kickt und in der Luft behält, beim Tischtennis wurde er nicht nur von anderen Vätern, sondern auch von anderen Kindern ausgetrickst. Warum die Väter nicht einfach anhalten, aus freier Hand Ochs, Esel und die Hirten zu zeichnen? Da hätten die Kinder bestimmt auch was zu lachen gehabt, und er auftrumpfen können.
Wenig später wurden die Grills angeschmissen und die Väter ließen sich zum Vergnügen der Kinder rote Schürzen umbinden. Doch das kümmerte sie kaum, während sie gekonnt große Fleischlappen und Würstchen auf den Gittern hin- und her wendeten. Er ließ sich keine rote Schürze anziehen. Brauchte er auch nicht, denn er war am Stand für Waffeln mit Sahne und heißen Kirschen beschäftigt, denn der Andrang war groß.
Als am Ende der Sieger des Geschicklichkeitsparcours geehrt werden sollte, fehlte eine entsprechende Trophäe. Da konnte er doch noch einmal punkten. In wenigen Minuten hatte er aus Papptellern, Plastikgabeln und Alufolie einen Pokal gebastelt, der sich sehen lassen konnte. „Selbst ist der Mann,“ dachte er.
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Selbst ist der Mann
Im Drogeriemarkt gefiel es ihm, viel Zeit in der Babyabteilung zu verbringen. Als Mann vielleicht untypisch, für ihn als Vater einer kleiner Tochter überhaupt nicht. Er kümmerte sich gerne um praktische Sachen, Windeln, Unterlagen, Pflegeöl. Danach waren die verschiedenen Gemüsebreis an der Reihe. Zum Schluss ging es noch mal zu den Accessoires, Schnuller, Beißring mit Kühlwirkung, oft empfohlen, aber wenig wirksam. Abschließend zu den Socken für die Kleinen: Davon konnte man nie genug haben, damit kannte er sich aus.
Zwei Jahre später war er in der Kita-Betreuung dabei, elterliche Begleitung bei den Bastelarbeiten, die im Laufe eines Jahres so anfielen. Der Umgang mit Pappe und Papier lag ihm. Fensterdekorationen, Martins-Fackeln, Adventskalender oder Weihnachtskrippen, das alles ging ihm leicht von der Hand. Er zeichnete den Kindern vor, was sie brauchten. Osterhasen, Martins-Pferde, Rentiere, Ochs und Esel, Maria und die Hirten zeichnete er frei aus dem Kopf.
Genauso wie er beim Theaterstück Hänsel und Gretel dabei half, eine halbwegs ansehnliche Kulisse zu malen und für die Kinder die Requisiten herzustellen. Die meisten von ihnen erhielten eine Rolle als Fichte, im Wind wiegend, als Gartentörchen, öffnen und schließen, als Häslein und Rehkitz, zwischen den Zweigen hervorlugen. Das war alles vor über 25 Jahren, da war er als Mann im Klassenzimmer, in den Kinderabteilungen der Kaufhäuser oder beim Kindertanztheater so gut wie allein.
Der unangenehmste Termin im Jahr aber war der Tag, der explizit allen Väter galt. Hier sollte ihnen die Gelegenheit gegeben werden, am Schulleben der Kinder teilzunehmen. Es wurde ein Parcours mit diversen Sportaktivitäten aufgebaut: Fußball-Torwandschiessen, Fußballdribbeln, Dartscheiben-Werfen mit Saugnapf-Pfeilen und abschließend ein Tischtennis-Turnier, im Doppel, jeweils Vater mit Kind.
Selten fühlte er sich als Mann so deplatziert wie an diesem Tag. Sein Geschick an der Torwand war gleich Null, er wusste nicht, wie man einen Ball mehrmals mit dem Fuß kickt und in der Luft behält, beim Tischtennis wurde er nicht nur von anderen Vätern, sondern auch von anderen Kindern ausgetrickst. Warum die Väter nicht einfach anhalten, aus freier Hand Ochs, Esel und die Hirten zu zeichnen? Da hätten die Kinder bestimmt auch was zu lachen gehabt, und er auftrumpfen können.
Wenig später wurden die Grills angeschmissen und die Väter ließen sich zum Vergnügen der Kinder rote Schürzen umbinden. Doch das kümmerte sie kaum, während sie gekonnt große Fleischlappen und Würstchen auf den Gittern hin- und her wendeten. Er ließ sich keine rote Schürze anziehen. Brauchte er auch nicht, denn er war am Stand für Waffeln mit Sahne und heißen Kirschen beschäftigt, denn der Andrang war groß.
Als am Ende der Sieger des Geschicklichkeitsparcours geehrt werden sollte, fehlte eine entsprechende Trophäe. Da konnte er doch noch einmal punkten. In wenigen Minuten hatte er aus Papptellern, Plastikgabeln und Alufolie einen Pokal gebastelt, der sich sehen lassen konnte. „Selbst ist der Mann,“ dachte er.