Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Schatten
Wieder muss sie stehen bleiben und warten. Eigentlich sollte es ein Spaziergang werden, aber sie sieht ihn nur in Hockstellung mit angewinkelten Armen den Fotoapparat und vor das Gesicht haltend.
„Warum benutzt er nicht einfach sein Handy wie alle anderen auch an diesem herrlichen Tag im Schlosspark“, fragt sie sich. Natürlich wirkt es sehr professionell, wie er mit schräg gehaltenen Kopf irgendetwas besonders Geheimnisvolles zu entdecken scheint, was sonst noch keiner gesehen hat.
Nur wenige Schritt entfernt ist ein junges Paar damit beschäftigt, ein Selfie von sich zu machen. Gar nicht so einfach, sich zu küssen und gleichzeitig in das Handy am ausgestreckten Arm zu schauen. Sie geht ein Stück zurück in Richtung Teich, um zu sehen, was ihren Mann so fasziniert.
„Kannst du mir sagen, was du da so Spannendes findest?“
„Die Schatten, siehst du sie, siehst du dieses Schattenspiel?“
„Mir gefallen vor allem die Lichtreflexe auf dem Wasser.“
Es überrascht ihn nicht, dass sie vom Licht spricht, während er den Schatten sieht.
„Mir sind als erstes die dunklen Flecken aufgefallen, tanzende Formen, wie tausende kleine Fische.“
„Und die Sonnenreflexionen auf dem Wasser fallen dir die nicht auf? Das sieht doch aus wie eine Schatz voller Golddukaten.“
Es war schwer genug gewesen, sich an diesem Samstagnachmittag auf einen gemeinsamen Spaziergang zu einigen. Gerade heute, wo etwas Bewegung in die Fußballbundesliga zu kommen schien. Doch dann hatte sie ihn daran erinnert, dass er doch mal wieder seine Fotokamera mitnehmen könne, so wie früher. Da konnte er nichts mehr einwenden. Eine gewisse Gereiztheit in seiner Stimme war trotzdem nicht zu überhören:
„Dir fallen die Sonnenreflexionen ins Auge und meinst gleich einen Goldschatz gefunden zu haben.“
„Hast du jetzt deine tummelnden Fischchen in Form von Schatten eingefangen?“
Sie schien auch nicht auf Harmonie aus zu sein. Aber mittlerweile ist er sich auch nicht mehr sicher, ob sein Foto den Eindruck so einfängt, wie er es sich wünscht.
„Du könntest Dich auch mal am Licht zu erfreuen und dir nicht nur irgendwelche Schatten schön zu reden.“
„Ah, jetzt wird es auch psychologisch“
Gut, eigentlich waren sie in letzter Zeit sogar öfters einig gewesen, dass man diesen schwierigen Zeiten mit der düsteren Weltlage etwas entgegenhalten muss. Das Augenmerk auf die schönen Dinge richten, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Mal das Helle, Glänzende, Farbige und Strahlende im Auge behalten. Er gibt es auf die Wogen glätten zu wollen. Außerdem scheint der Akku auch gleich leer zu sein. Sie schaut ein letztes Mal auf das frisch verliebte Paar. Ihnen reicht es, dass sie sich gegenseitig wahnsinnig schön finden und dabei einer Meinung sind. Noch.
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Schatten
Wieder muss sie stehen bleiben und warten. Eigentlich sollte es ein Spaziergang werden, aber sie sieht ihn nur in Hockstellung mit angewinkelten Armen den Fotoapparat und vor das Gesicht haltend.
„Warum benutzt er nicht einfach sein Handy wie alle anderen auch an diesem herrlichen Tag im Schlosspark“, fragt sie sich. Natürlich wirkt es sehr professionell, wie er mit schräg gehaltenen Kopf irgendetwas besonders Geheimnisvolles zu entdecken scheint, was sonst noch keiner gesehen hat.
Nur wenige Schritt entfernt ist ein junges Paar damit beschäftigt, ein Selfie von sich zu machen. Gar nicht so einfach, sich zu küssen und gleichzeitig in das Handy am ausgestreckten Arm zu schauen. Sie geht ein Stück zurück in Richtung Teich, um zu sehen, was ihren Mann so fasziniert.
„Kannst du mir sagen, was du da so Spannendes findest?“
„Die Schatten, siehst du sie, siehst du dieses Schattenspiel?“
„Mir gefallen vor allem die Lichtreflexe auf dem Wasser.“
Es überrascht ihn nicht, dass sie vom Licht spricht, während er den Schatten sieht.
„Mir sind als erstes die dunklen Flecken aufgefallen, tanzende Formen, wie tausende kleine Fische.“
„Und die Sonnenreflexionen auf dem Wasser fallen dir die nicht auf? Das sieht doch aus wie eine Schatz voller Golddukaten.“
Es war schwer genug gewesen, sich an diesem Samstagnachmittag auf einen gemeinsamen Spaziergang zu einigen. Gerade heute, wo etwas Bewegung in die Fußballbundesliga zu kommen schien. Doch dann hatte sie ihn daran erinnert, dass er doch mal wieder seine Fotokamera mitnehmen könne, so wie früher. Da konnte er nichts mehr einwenden. Eine gewisse Gereiztheit in seiner Stimme war trotzdem nicht zu überhören:
„Dir fallen die Sonnenreflexionen ins Auge und meinst gleich einen Goldschatz gefunden zu haben.“
„Hast du jetzt deine tummelnden Fischchen in Form von Schatten eingefangen?“
Sie schien auch nicht auf Harmonie aus zu sein. Aber mittlerweile ist er sich auch nicht mehr sicher, ob sein Foto den Eindruck so einfängt, wie er es sich wünscht.
„Du könntest Dich auch mal am Licht zu erfreuen und dir nicht nur irgendwelche Schatten schön zu reden.“
„Ah, jetzt wird es auch psychologisch“
Gut, eigentlich waren sie in letzter Zeit sogar öfters einig gewesen, dass man diesen schwierigen Zeiten mit der düsteren Weltlage etwas entgegenhalten muss. Das Augenmerk auf die schönen Dinge richten, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Mal das Helle, Glänzende, Farbige und Strahlende im Auge behalten. Er gibt es auf die Wogen glätten zu wollen. Außerdem scheint der Akku auch gleich leer zu sein. Sie schaut ein letztes Mal auf das frisch verliebte Paar. Ihnen reicht es, dass sie sich gegenseitig wahnsinnig schön finden und dabei einer Meinung sind. Noch.