Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Resteessen
Rührei, geräucherter Speck, überbackene Tomaten, Pancakes, Toast Hawaii, gegrilltes Gemüse, Obstsalat. Das gibt es eigentlich immer, dazu noch das Übliche und das Ein und Andere, und von allem immer mehr als genug.
Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis, aber bitte verraten Sie mich oder meine wunderbare Chefin nicht. Anna ist nämlich die beste der Welt. Aber zuerst möchte ich mich vorstellen: Ich bin Yingsoo, 48 Jahre alt, geboren in Vietnam. Seit über dreißig Jahren lebe ich in Europa, seit vier Jahren nun an der polnischen Ostseeküste genauso wie mein Mann Xipu. Wir arbeiten in einem 5-Sterne-Hotel direkt am Strand und sind im Service angestellt. Unsere Arbeitszeiten sind täglich von 5.30 bis 12.30. Das ist schon eine recht anstrengende Arbeit, Tische decken, abräumen und säubern, nett zu den Gästen sein, und alleine das ganze Geschirr, das getragen werden muss. Aber wir sind froh um den sicheren und recht gut bezahlten Job.
Wenn die Schicht vorbei ist, alles abgeräumt und gesäubert ist, treffen wir uns im kleinen Speisesaal hinter der Küche. Wir sind rund fünfundzwanzig Mitarbeiter, fast alle Asiaten, mittlerweile kennen wir uns sehr gut, denn wer einmal hier arbeitet, der bleibt. Wenn wir dann nach getaner Frühschicht zusammensitzen, fällt alle Anspannung von uns. Hier sind wir unter uns, reden in unserer Heimatsprache. Ein Geschnatter und Geschmatze ist das jeden Mittag, und auch immer wieder herzhaftes Lachen trotz der Müdigkeit. Für uns ist der Arbeitstag vorbei und wir genießen unser Essen, bevor wir zu unseren Familien nach Hause gehen.
Sie glauben ja nicht, was die Gäste alles liegen lassen auf ihren Tellern, was alles übrig bleibt in den Schüsseln, Körben und auf den warmen Platten. Das Wenigste wird für den nächsten Morgen gut verpackt und in der Kühlung aufgehoben. All die anderen schmackhaften Reste, in anderen Häusern wird das ja einfach weggeschmissen, aber nicht bei uns. Dank unserer tollen Anna, die sich über manche unsinnige Hygienebestimmungen hinwegsetzt, dank ihres Mitgefühls und ihrer Erlaubnis, wird von uns jeden Mittag alles restlos vertilgt. Auch wenn wir normalerweise andere Essgewohnheiten haben, unsere gemeinsamen Mittagessen sind wie eine Belohnung für einen anstrengenden Arbeitstag, großes Dankeschön liebe Anna.
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Resteessen
Rührei, geräucherter Speck, überbackene Tomaten, Pancakes, Toast Hawaii, gegrilltes Gemüse, Obstsalat. Das gibt es eigentlich immer, dazu noch das Übliche und das Ein und Andere, und von allem immer mehr als genug.
Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis, aber bitte verraten Sie mich oder meine wunderbare Chefin nicht. Anna ist nämlich die beste der Welt. Aber zuerst möchte ich mich vorstellen: Ich bin Yingsoo, 48 Jahre alt, geboren in Vietnam. Seit über dreißig Jahren lebe ich in Europa, seit vier Jahren nun an der polnischen Ostseeküste genauso wie mein Mann Xipu. Wir arbeiten in einem 5-Sterne-Hotel direkt am Strand und sind im Service angestellt. Unsere Arbeitszeiten sind täglich von 5.30 bis 12.30. Das ist schon eine recht anstrengende Arbeit, Tische decken, abräumen und säubern, nett zu den Gästen sein, und alleine das ganze Geschirr, das getragen werden muss. Aber wir sind froh um den sicheren und recht gut bezahlten Job.
Wenn die Schicht vorbei ist, alles abgeräumt und gesäubert ist, treffen wir uns im kleinen Speisesaal hinter der Küche. Wir sind rund fünfundzwanzig Mitarbeiter, fast alle Asiaten, mittlerweile kennen wir uns sehr gut, denn wer einmal hier arbeitet, der bleibt. Wenn wir dann nach getaner Frühschicht zusammensitzen, fällt alle Anspannung von uns. Hier sind wir unter uns, reden in unserer Heimatsprache. Ein Geschnatter und Geschmatze ist das jeden Mittag, und auch immer wieder herzhaftes Lachen trotz der Müdigkeit. Für uns ist der Arbeitstag vorbei und wir genießen unser Essen, bevor wir zu unseren Familien nach Hause gehen.
Sie glauben ja nicht, was die Gäste alles liegen lassen auf ihren Tellern, was alles übrig bleibt in den Schüsseln, Körben und auf den warmen Platten. Das Wenigste wird für den nächsten Morgen gut verpackt und in der Kühlung aufgehoben. All die anderen schmackhaften Reste, in anderen Häusern wird das ja einfach weggeschmissen, aber nicht bei uns. Dank unserer tollen Anna, die sich über manche unsinnige Hygienebestimmungen hinwegsetzt, dank ihres Mitgefühls und ihrer Erlaubnis, wird von uns jeden Mittag alles restlos vertilgt. Auch wenn wir normalerweise andere Essgewohnheiten haben, unsere gemeinsamen Mittagessen sind wie eine Belohnung für einen anstrengenden Arbeitstag, großes Dankeschön liebe Anna.