Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Rauchen
Bluetooth. Anmelden mit Passwort. Hände weg von Palantir. Ihre Internetverbindung ist unterbrochen. Cloud-Architekten, Software Engineerer, Senior Key Account Manager dringend gesucht. Passwort schon vergeben! Neues Update verfügbar. Scannen sie den QR-Code. Bestsellerautor schreibt mit Chat-GPT seinen nächsten Thriller. Drohnen werden immer entscheidender im Krieg, die Waffen der Zukunft!
Von all den Schlagzeilen raucht ihr der Kopf und sie schließt erst einmal die Augen. So alt ist sie doch noch nicht! Zehn Jahre bis zur Rente, noch arbeitet sie Vollzeit und ist Mitglied in einem Sportstudio, ernährt sich seit mehreren Jahren vegetarisch und hat ihren Alkoholkonsum sehr reduziert. Die letzte Zigarette? Es war wohl ein Joint, mit Ende des Studiums hat sie auch auf den verzichtet.
Und doch kommt sie sich gerade vor wie ihre eigene Groß- oder Urgroßmutter bei all den Neuerungen und Anforderungen. Täglich werden es mehr. Wie soll sie sich da noch auskennen, wie noch mithalten ohne ständig die Kinder zu fragen und um Hilfe zu bitten?
Telefon? Auto? Staubsauger, Waschmaschine, Haartrockner, Fernseher, Schreibmaschine? Ach du liebe Güte, was soll der ganze Irrsinn. So sprachen sie sicherlich, die Frauen ihrer Familie vor ihr. Als Kind sah sie morgens und abends den Himmel von den Kohlezechen rot glühen. Die Männer schleppten die Kohlen aus dem Keller, Frauen und Kinder fegten die Asche zusammen. Im Ruhrgebiet rauchte alles: die Schlote der Werke, die Schornsteine der Häuser, Männer und Jugendliche ihre Kippen.
Die Zechen fehlten in Berlin, als sie nach der Schulzeit kam und blieb, die Winter waren kalt trotz Kohleöfen, die Besuche im Ostteil geprägt vom Geruch nach Braunkohle und dem Zweitakter-Gemisch der Trabbis. In Kneipen und Lokalen wurde vor, während und nach dem Essen geraucht, in Kinos, Bussen, Zügen, Flugzeugen und Talkshows auch.
Heute wird mit Öl, Gas, Holz, Solar, Strom geheizt, es rauchen keine Fabrikschlote, Schornsteine oder Auspuffe mehr. Immer mehr Menschen streichen Zigaretten aus ihrem Leben und dampfen, dafür rauchen immer mehr Köpfe von den vielen Veränderungen, Herausforderungen und Ungewissheiten. Manchmal möchte sie vor lauter Unbehagen wieder zur Zigarette greifen oder doch besser gleich zum Joint?
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Von all den Schlagzeilen raucht ihr der Kopf und sie schließt erst einmal die Augen. So alt ist sie doch noch nicht! Zehn Jahre bis zur Rente, noch arbeitet sie Vollzeit und ist Mitglied in einem Sportstudio, ernährt sich seit mehreren Jahren vegetarisch und hat ihren Alkoholkonsum sehr reduziert. Die letzte Zigarette? Es war wohl ein Joint, mit Ende des Studiums hat sie auch auf den verzichtet.
Und doch kommt sie sich gerade vor wie ihre eigene Groß- oder Urgroßmutter bei all den Neuerungen und Anforderungen. Täglich werden es mehr. Wie soll sie sich da noch auskennen, wie noch mithalten ohne ständig die Kinder zu fragen und um Hilfe zu bitten?
Telefon? Auto? Staubsauger, Waschmaschine, Haartrockner, Fernseher, Schreibmaschine? Ach du liebe Güte, was soll der ganze Irrsinn. So sprachen sie sicherlich, die Frauen ihrer Familie vor ihr. Als Kind sah sie morgens und abends den Himmel von den Kohlezechen rot glühen. Die Männer schleppten die Kohlen aus dem Keller, Frauen und Kinder fegten die Asche zusammen. Im Ruhrgebiet rauchte alles: die Schlote der Werke, die Schornsteine der Häuser, Männer und Jugendliche ihre Kippen.
Die Zechen fehlten in Berlin, als sie nach der Schulzeit kam und blieb, die Winter waren kalt trotz Kohleöfen, die Besuche im Ostteil geprägt vom Geruch nach Braunkohle und dem Zweitakter-Gemisch der Trabbis. In Kneipen und Lokalen wurde vor, während und nach dem Essen geraucht, in Kinos, Bussen, Zügen, Flugzeugen und Talkshows auch.
Heute wird mit Öl, Gas, Holz, Solar, Strom geheizt, es rauchen keine Fabrikschlote, Schornsteine oder Auspuffe mehr. Immer mehr Menschen streichen Zigaretten aus ihrem Leben und dampfen, dafür rauchen immer mehr Köpfe von den vielen Veränderungen, Herausforderungen und Ungewissheiten. Manchmal möchte sie vor lauter Unbehagen wieder zur Zigarette greifen oder doch besser gleich zum Joint?