Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Perlentaucher
WIE
„Ist nicht jeder von uns auf seine Art ein Perlentaucher?“
Hans Bemerkung stößt auf leichtes Unverständnis. Wer von ihnen kennt schon Perlentaucher wirklich? Wer weiß mehr über sie, falls es sie noch gibt, irgendwo in der Südsee.
„Also ich wüsste es, wenn ich ein Perlentaucher wäre“, meint Georg frech grinsend und schaut in die Runde, ob seine spontane Bemerkung auf Zustimmung stößt.
Natalie reagiert anders: „Also ich verstehe Hans, ich bin auf meine Art schon eine Perlentaucherin.“
„Ja genau, ich auch,“ pflichtet Kati ihrer Freundin bei, „zumindest kenne ich dieses Gefühl sehr gut, es hat was sehr Schönes, es tut gut, ich wäre am liebsten immer Perlentaucherin.“
„Was?“ Georg ist immer noch skeptisch, „ Minutenlang die Luft anzuhalten und sich Lebensgefahren aussetzen, nur um ein paar schmutzige Muscheln vom Meeresboden abzukratzen? Das findest du erstrebenswert?“
„Nein, das meine ich nicht, es geht doch um Perlentauchen im weiteren Sinne. Wir waren letztes Wochenende Pilze suchen. Die Jahreszeit spricht nicht ganz dafür, das Terrain auch nicht, aber irgendetwas sagte mir, hier könnten wir fündig werden. Und was glaubt ihr, plötzlich steht da eine ganze Reihe feinster Steinpilze.“
Natalies Bericht ermutigt auch Kati: „Ich liebe es einfach, dieses Rumstromern. Nicht zielbewusst, aber voller Hoffnung, gleich etwas finden zu können. Mir geht es auf Flohmärkten so, auch wenn ich an hundert Stände nichts finde. Und dann, ganz plötzlich sehe ich etwas vor mir liegen und greife zu.“
Jetzt kommen noch weitere Perlen-Leidenschaften zu Tage:
„Als Kinder haben wir Versteinerungen gesammelt. Man glaubt nicht, was man mitten in der Eifel alles finden kann. Im Kalkstein stecken Schnecken, Muscheln, Meeresgetier aller Art. Sobald es einen frischen Erdaushub gibt kann man fündig werden. Es war für uns Kinder eine Dauerbeschäftigung, ohne Langeweile, ohne Streit und am Ende wurde die Ausbeute gemeinsam begutachtet.“
„Das muss ein Perlentaucher-Gen sein, von dem ihr sprecht. Ich habe es jedenfalls nicht.“ meint Georg und fühlt sich mittlerweile als leicht benachteiligte Minderheit in der Runde.
„Ja das stimmt, einige haben den Perlentaucher in sich, andere nicht. Das kannst du an Stränden, in Antiquariaten, auf Märkten, beim Sperrmüll beobachten.“
„Ja genau, diese Ausdauer, diese Geduld, für einen Fund, wenn auch nur ganz ab und zu. Doch das reicht aus, um weiter von Neuem zu suchen.“
„Ich kenne das nur von meiner Frau, vor allem am Meer, da ist ist wie im Trance, während ich auf da sitze mit Handy, aber ohne Empfang“, erklärt Georg trocken.
„Suchst oder sammelst du nie etwas?“ hakt Natalie nach.
„Warum sollte ich? Was willst du mit all den den Sachen anschließend machen? Meistens liegen sie später nur im Keller rum.“
„Darum geht es doch gar nicht.“
Und dann schwenkt Georg doch noch ein: „Okay, beim Klamotten-Kaufen, da kenne ich das Gefühl. Wenn ich einmal fündig war, so ein richtig Super-Schnäppchen gemacht habe, dann zieht es mich immer wieder in die gleiche Ecke dieses Ladens, selbst wenn ich nichts mehr finde, und meine Frau fragt, wo bleibst du denn?“
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Perlentaucher
WIE
„Ist nicht jeder von uns auf seine Art ein Perlentaucher?“
Hans Bemerkung stößt auf leichtes Unverständnis. Wer von ihnen kennt schon Perlentaucher wirklich? Wer weiß mehr über sie, falls es sie noch gibt, irgendwo in der Südsee.
„Also ich wüsste es, wenn ich ein Perlentaucher wäre“, meint Georg frech grinsend und schaut in die Runde, ob seine spontane Bemerkung auf Zustimmung stößt.
Natalie reagiert anders: „Also ich verstehe Hans, ich bin auf meine Art schon eine Perlentaucherin.“
„Ja genau, ich auch,“ pflichtet Kati ihrer Freundin bei, „zumindest kenne ich dieses Gefühl sehr gut, es hat was sehr Schönes, es tut gut, ich wäre am liebsten immer Perlentaucherin.“
„Was?“ Georg ist immer noch skeptisch, „ Minutenlang die Luft anzuhalten und sich Lebensgefahren aussetzen, nur um ein paar schmutzige Muscheln vom Meeresboden abzukratzen? Das findest du erstrebenswert?“
„Nein, das meine ich nicht, es geht doch um Perlentauchen im weiteren Sinne. Wir waren letztes Wochenende Pilze suchen. Die Jahreszeit spricht nicht ganz dafür, das Terrain auch nicht, aber irgendetwas sagte mir, hier könnten wir fündig werden. Und was glaubt ihr, plötzlich steht da eine ganze Reihe feinster Steinpilze.“
Natalies Bericht ermutigt auch Kati: „Ich liebe es einfach, dieses Rumstromern. Nicht zielbewusst, aber voller Hoffnung, gleich etwas finden zu können. Mir geht es auf Flohmärkten so, auch wenn ich an hundert Stände nichts finde. Und dann, ganz plötzlich sehe ich etwas vor mir liegen und greife zu.“
Jetzt kommen noch weitere Perlen-Leidenschaften zu Tage:
„Als Kinder haben wir Versteinerungen gesammelt. Man glaubt nicht, was man mitten in der Eifel alles finden kann. Im Kalkstein stecken Schnecken, Muscheln, Meeresgetier aller Art. Sobald es einen frischen Erdaushub gibt kann man fündig werden. Es war für uns Kinder eine Dauerbeschäftigung, ohne Langeweile, ohne Streit und am Ende wurde die Ausbeute gemeinsam begutachtet.“
„Das muss ein Perlentaucher-Gen sein, von dem ihr sprecht. Ich habe es jedenfalls nicht.“ meint Georg und fühlt sich mittlerweile als leicht benachteiligte Minderheit in der Runde.
„Ja das stimmt, einige haben den Perlentaucher in sich, andere nicht. Das kannst du an Stränden, in Antiquariaten, auf Märkten, beim Sperrmüll beobachten.“
„Ja genau, diese Ausdauer, diese Geduld, für einen Fund, wenn auch nur ganz ab und zu. Doch das reicht aus, um weiter von Neuem zu suchen.“
„Ich kenne das nur von meiner Frau, vor allem am Meer, da ist ist wie im Trance, während ich auf da sitze mit Handy, aber ohne Empfang“, erklärt Georg trocken.
„Suchst oder sammelst du nie etwas?“ hakt Natalie nach.
„Warum sollte ich? Was willst du mit all den den Sachen anschließend machen? Meistens liegen sie später nur im Keller rum.“
„Darum geht es doch gar nicht.“
Und dann schwenkt Georg doch noch ein: „Okay, beim Klamotten-Kaufen, da kenne ich das Gefühl. Wenn ich einmal fündig war, so ein richtig Super-Schnäppchen gemacht habe, dann zieht es mich immer wieder in die gleiche Ecke dieses Ladens, selbst wenn ich nichts mehr finde, und meine Frau fragt, wo bleibst du denn?“