Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Nix für immer
Das war damals ihre Devise, es war nahezu ihr Markenzeichen. Nur nicht festlegen, immer alles schön offenhalten, allen Möglichkeiten eine reelle Chance geben. Damit waren sie über Jahre das Dreamteam schlechthin, naja, zumindest in ihrer Blase, wie es heute heißt. Das begehrte Kleeblatt der schönen Drei, Stefan, Ulrich und Konrad. Irgendwann mal im Suff ritzte Stefan, der kreativste von ihnen, eine flotte kleine Strichzeichnung in den Holztisch ihrer Stammkneipe. Über Jahre war der ‚KUS‘ ihr Stammplatz, und sie strichen liebevoll und stolz mit den Fingern über die Kanten der Gravur.
War Jugend schön! Ihre Jugend! Endlich dem beengten schwäbischen Elternhaus entkommen mit den klaren Prinzipien ‚Schaffe Schaffe und immer schön bescheiden sein.‘ Die braven und fleissigen Schwaben konnten ihm mal den Buckel runterrutschen. An der Uni traf er dann bald auf die beiden anderen, Stefan aus dem Rheinland und Ulrich aus Kreuzberg. Über Jahre das volle Programm, wenig Studium, viel Sex & Drugs & Rock’n Roll. Dass er diese Jahre einigermaßen schadlos überlebt hat, ist ihm heute noch ein Wunder. Freiheit war die einzige Koordinate des Lebens, auch zu Weihnachten fuhr er nicht mehr nach Hause. Als er kein Bafög mehr bekam, jobbte er. Als er früh die ersten grauen Haare entdeckte, riss er sie sich aus. Niemals dachten sie an die Zukunft, immer nur ans Jetzt.
Stefan war der erste, der umkippte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Firma und arbeitete sich erfolgreich in den Kapitalismus ein. Der Kontakt zu ihm verlief sich bald. Ulrich kriegte drogenmäßig nicht die Kurve und liegt schon viele Jahre auf dem Luisenstädter Friedhof. Er selbst hat dann gerade noch den Absprung geschafft, ein ehemaliger Prof. hat irgendwie an ihn geglaubt.
Seine drei Kinder wollen nie wissen, was da wirklich alles früher gewesen ist, und seine Frau aus gutbürgerlicher Hanseatenfamilie eigentlich auch nicht. Aber sie traf er ja auch erst später, als er sich gar nicht mehr so gerne an die Jahre der KUS erinnern wollte. In den ersten Wochen ihres Kennenlernens, als er schon sehr verliebt in sie war, lag er nachts manchmal wach neben ihr und fragte sich, ob er sich jetzt nicht eigentlich selber verrät? Wie soll das gehen? Ehe und Familie? Ist doch das ganze Gegenteil! Doch die beiden anderen mochte und konnte er da schon nicht mehr fragen. Also beschloss er eines Morgens, seine Jugend zu beenden, ging in die frühere Stammkneipe, bestellte bei Hermann dem Wirt ein Helles und strich sanft über die drei Buchstaben. Nix für ungut, wird schon werden.
19. Juli 2025
nahezu ihr Markenzeichen. Nur nicht festlegen, immer alles schön offenhalten, allen Möglichkeiten eine reelle Chance geben. Damit waren sie über Jahre das Dreamteam schlechthin, naja, zumindest in ihrer Blase, wie es heute heißt. Das begehrte Kleeblatt der schönen Drei, Stefan, Ulrich und Konrad. Irgendwann mal im Suff ritze Stefan, der kreativste von ihnen, eine flotte kleine Strichzeichnung in den Holztisch ihrer Stammkneipe. Über Jahre war der ‚KUS‘ ihr Stammplatz, und sie strichen mit den Fingern über die Kanten der Gravur.
War Jugend schön! Ihre Jugend! Endlich dem beengten schwäbischen Elternhaus entkommen mit den klaren Prinzipien ‚Schaffe Schaffe und immer schön bescheiden sein.‘ Die Schwaben konnten ihm mal den Buckel runterrunter. An der Uni traf er dann bald auf die beiden anderen, Stefan aus dem Rheinland und Ulrich aus Kreuzberg. Über Jahre das volle Programm, wenig Studium, viel Sex and Drugs and Rock’n Roll. Dass er diese Jahre einigermaßen schadlos überlebt hat, ist ihm heute noch ein Wunder. Freiheit war die einzige Koordinate des Lebens, auch zu Weihnachten fuhr er nicht mehr nach Hause. Als er kein Bafög mehr bekam, jobbte er. Als er früh die ersten grauen Haare entdeckte, riss er sie aus. Niemals dachten sie an die Zukunft, immer nur ans Jetzt.
Stefan war der erste, der umkippte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Firma und arbeitete sich langsam in den Kapitalismus ein. Der Kontakt zu ihm verlief sich bald. Ulrich kriegte drogenmäßig nicht die Kurve und liegt schon viele Jahre auf dem Luisenstädter Friedhof. Er selbst hat dann gerade noch den Absprung geschafft, ein ehemaliger Prof. von ihm hat irgendwie an ihn geglaubt.
Seine drei Kinder wollen nie wissen, was da wirklich alles früher gewesen ist, und seine Frau aus gutbürgerlicher Hanseatenfamilie eigentlich auch nicht. Aber sie traf er ja auch erst später, als er sich gar nicht mehr so gerne an die Jahre der KUS erinnern wollte. In den ersten Wochen ihres Kennenlernens, als er schon sehr verliebt in sie war, lag er nachts manchmal wach neben ihr und fragte sich, ob er sich jetzt nicht eigentlich selber verrät? Wie soll das gehen? Ehe und Familie? Ist doch das ganze Gegenteil! Doch die beiden anderen mochte und konnte er da schon nicht mehr fragen. Also beschloss er eines Morgens, seine Jugend zu beenden, ging in die frühere Stammkneipe, bestellte bei Hermann dem Wirt ein Helles und strich sanft über die drei Buchstaben. Nix für ungut, nix für immer, wird schon werden.
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Nix für immer
Das war damals ihre Devise, es war nahezu ihr Markenzeichen. Nur nicht festlegen, immer alles schön offenhalten, allen Möglichkeiten eine reelle Chance geben. Damit waren sie über Jahre das Dreamteam schlechthin, naja, zumindest in ihrer Blase, wie es heute heißt. Das begehrte Kleeblatt der schönen Drei, Stefan, Ulrich und Konrad. Irgendwann mal im Suff ritzte Stefan, der kreativste von ihnen, eine flotte kleine Strichzeichnung in den Holztisch ihrer Stammkneipe. Über Jahre war der ‚KUS‘ ihr Stammplatz, und sie strichen liebevoll und stolz mit den Fingern über die Kanten der Gravur.
War Jugend schön! Ihre Jugend! Endlich dem beengten schwäbischen Elternhaus entkommen mit den klaren Prinzipien ‚Schaffe Schaffe und immer schön bescheiden sein.‘ Die braven und fleissigen Schwaben konnten ihm mal den Buckel runterrutschen. An der Uni traf er dann bald auf die beiden anderen, Stefan aus dem Rheinland und Ulrich aus Kreuzberg. Über Jahre das volle Programm, wenig Studium, viel Sex & Drugs & Rock’n Roll. Dass er diese Jahre einigermaßen schadlos überlebt hat, ist ihm heute noch ein Wunder. Freiheit war die einzige Koordinate des Lebens, auch zu Weihnachten fuhr er nicht mehr nach Hause. Als er kein Bafög mehr bekam, jobbte er. Als er früh die ersten grauen Haare entdeckte, riss er sie sich aus. Niemals dachten sie an die Zukunft, immer nur ans Jetzt.
Stefan war der erste, der umkippte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Firma und arbeitete sich erfolgreich in den Kapitalismus ein. Der Kontakt zu ihm verlief sich bald. Ulrich kriegte drogenmäßig nicht die Kurve und liegt schon viele Jahre auf dem Luisenstädter Friedhof. Er selbst hat dann gerade noch den Absprung geschafft, ein ehemaliger Prof. hat irgendwie an ihn geglaubt.
Seine drei Kinder wollen nie wissen, was da wirklich alles früher gewesen ist, und seine Frau aus gutbürgerlicher Hanseatenfamilie eigentlich auch nicht. Aber sie traf er ja auch erst später, als er sich gar nicht mehr so gerne an die Jahre der KUS erinnern wollte. In den ersten Wochen ihres Kennenlernens, als er schon sehr verliebt in sie war, lag er nachts manchmal wach neben ihr und fragte sich, ob er sich jetzt nicht eigentlich selber verrät? Wie soll das gehen? Ehe und Familie? Ist doch das ganze Gegenteil! Doch die beiden anderen mochte und konnte er da schon nicht mehr fragen. Also beschloss er eines Morgens, seine Jugend zu beenden, ging in die frühere Stammkneipe, bestellte bei Hermann dem Wirt ein Helles und strich sanft über die drei Buchstaben. Nix für ungut, wird schon werden.
19. Juli 2025
nahezu ihr Markenzeichen. Nur nicht festlegen, immer alles schön offenhalten, allen Möglichkeiten eine reelle Chance geben. Damit waren sie über Jahre das Dreamteam schlechthin, naja, zumindest in ihrer Blase, wie es heute heißt. Das begehrte Kleeblatt der schönen Drei, Stefan, Ulrich und Konrad. Irgendwann mal im Suff ritze Stefan, der kreativste von ihnen, eine flotte kleine Strichzeichnung in den Holztisch ihrer Stammkneipe. Über Jahre war der ‚KUS‘ ihr Stammplatz, und sie strichen mit den Fingern über die Kanten der Gravur.
War Jugend schön! Ihre Jugend! Endlich dem beengten schwäbischen Elternhaus entkommen mit den klaren Prinzipien ‚Schaffe Schaffe und immer schön bescheiden sein.‘ Die Schwaben konnten ihm mal den Buckel runterrunter. An der Uni traf er dann bald auf die beiden anderen, Stefan aus dem Rheinland und Ulrich aus Kreuzberg. Über Jahre das volle Programm, wenig Studium, viel Sex and Drugs and Rock’n Roll. Dass er diese Jahre einigermaßen schadlos überlebt hat, ist ihm heute noch ein Wunder. Freiheit war die einzige Koordinate des Lebens, auch zu Weihnachten fuhr er nicht mehr nach Hause. Als er kein Bafög mehr bekam, jobbte er. Als er früh die ersten grauen Haare entdeckte, riss er sie aus. Niemals dachten sie an die Zukunft, immer nur ans Jetzt.
Stefan war der erste, der umkippte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Firma und arbeitete sich langsam in den Kapitalismus ein. Der Kontakt zu ihm verlief sich bald. Ulrich kriegte drogenmäßig nicht die Kurve und liegt schon viele Jahre auf dem Luisenstädter Friedhof. Er selbst hat dann gerade noch den Absprung geschafft, ein ehemaliger Prof. von ihm hat irgendwie an ihn geglaubt.
Seine drei Kinder wollen nie wissen, was da wirklich alles früher gewesen ist, und seine Frau aus gutbürgerlicher Hanseatenfamilie eigentlich auch nicht. Aber sie traf er ja auch erst später, als er sich gar nicht mehr so gerne an die Jahre der KUS erinnern wollte. In den ersten Wochen ihres Kennenlernens, als er schon sehr verliebt in sie war, lag er nachts manchmal wach neben ihr und fragte sich, ob er sich jetzt nicht eigentlich selber verrät? Wie soll das gehen? Ehe und Familie? Ist doch das ganze Gegenteil! Doch die beiden anderen mochte und konnte er da schon nicht mehr fragen. Also beschloss er eines Morgens, seine Jugend zu beenden, ging in die frühere Stammkneipe, bestellte bei Hermann dem Wirt ein Helles und strich sanft über die drei Buchstaben. Nix für ungut, nix für immer, wird schon werden.