Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Nix für immer
1921 „Ich werde das Pferdegestüt unserer Familie später nicht übernehmen. In ein paar Jahren sind in Berlin kaum noch Reitpferde-Kutschen unterwegs. Ich will später mal einen Laden aufmachen, wo man Benzin kaufen kann.“
„Glaubst du wirklich, überall werden diese gefährlichen, unberechenbaren Automobile rumfahren? Glaubst du denn wirklich, Menschen, Männer, werden darauf verzichten, echten lebendigen Pferden umgehen zu können?“
1951 „Ich will später mal Architekt werden.“
„Mein Junge, in zehn Jahren werden alle Kriegsschäden wieder aufgebaut sein: Häuser, Fabriken, Schulen und Rathäuser. Dann braucht kein Mensch mehr Architekten. Häuser verwelken schließlich nicht wie Blumen. Aber Kohle, Öl und Gas werden verbraucht, das heißt, hier werden weiter Bergwerke immer benötigt. Studiere Bergbauwesen.“
1961 „Ich werde in unserem Schallplattenladen eine Extra-Abteilung aufmachen, wo vor allem Singles verkauft werden. Die kleinen Schallplatten sind das Geschäft von morgen.“
„Wer kauft denn eine Schallplatte mit nur zwei Liedern? Davon hat man doch im Nu genug. Und wer soll dann noch in ein Live-Konzert gehen?“
1970 „In unserer WG kocht jeder mal. Auch die Männer.“
„Meine liebe Tochter, dein Vater hat auch schon mal ein Spiegelei gebraten. Aber eins sag ich dir: Einen anständigen Tafelspitz, Kohlrouladen oder einen Rehrücken, das bekommen die nicht hin. Wenn du das kannst, hast du was fürs ganze Leben. Damit wirst du immer Verehrer und Freunde finden.“
1980 „Ein Land wie unseres muss wehrfähig sein. Das lässt sich nicht alles mit Vereinbarungen und Abmachungen klären. Dazu braucht man viele Waffen und Soldaten, die das können.“
„Lieber Vater, die Zeiten, in denen man so denkt, sind glücklicherweise ein für alle Mal vorbei.“
1990 „Mein lieber Sohn, die Mauer ist gefallen, ich bin mir sicher, jetzt bekommen wir hier einen riesigen Linksruck zu spüren, wenn die ganzen ehemaligen Sozis zu uns rüber kommen.“
„Mein Chef meinte gestern noch, die neuen Bundesländer werden in kürzester Zeit derartig aufblühen, dass alle dort drüben vom Segen der Demokratie mit ihren wirtschaftlichen Freiheiten überzeugt sein werden.“
2005 „Es gibt Studien, die besagen, dass womöglich schon in 20 Jahren das Klima richtig große Schwierigkeiten bereiten wird, weil sich die Welt insgesamt viel zu schnell erwärmt.“
„Meine liebe Tochter, woher hast du denn diesen Quatsch! Wie soll das denn gehen? Die ganze Welt erwärmt sich. Freu dich doch, ihr fliegt doch so gerne in den Süden.“
Texte zum Alltäglichen -
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Nix für immer
1921 „Ich werde das Pferdegestüt unserer Familie später nicht übernehmen. In ein paar Jahren sind in Berlin kaum noch Reitpferde-Kutschen unterwegs. Ich will später mal einen Laden aufmachen, wo man Benzin kaufen kann.“
„Glaubst du wirklich, überall werden diese gefährlichen, unberechenbaren Automobile rumfahren? Glaubst du denn wirklich, Menschen, Männer, werden darauf verzichten, echten lebendigen Pferden umgehen zu können?“
1951 „Ich will später mal Architekt werden.“
„Mein Junge, in zehn Jahren werden alle Kriegsschäden wieder aufgebaut sein: Häuser, Fabriken, Schulen und Rathäuser. Dann braucht kein Mensch mehr Architekten. Häuser verwelken schließlich nicht wie Blumen. Aber Kohle, Öl und Gas werden verbraucht, das heißt, hier werden weiter Bergwerke immer benötigt. Studiere Bergbauwesen.“
1961 „Ich werde in unserem Schallplattenladen eine Extra-Abteilung aufmachen, wo vor allem Singles verkauft werden. Die kleinen Schallplatten sind das Geschäft von morgen.“
„Wer kauft denn eine Schallplatte mit nur zwei Liedern? Davon hat man doch im Nu genug. Und wer soll dann noch in ein Live-Konzert gehen?“
1970 „In unserer WG kocht jeder mal. Auch die Männer.“
„Meine liebe Tochter, dein Vater hat auch schon mal ein Spiegelei gebraten. Aber eins sag ich dir: Einen anständigen Tafelspitz, Kohlrouladen oder einen Rehrücken, das bekommen die nicht hin. Wenn du das kannst, hast du was fürs ganze Leben. Damit wirst du immer Verehrer und Freunde finden.“
1980 „Ein Land wie unseres muss wehrfähig sein. Das lässt sich nicht alles mit Vereinbarungen und Abmachungen klären. Dazu braucht man viele Waffen und Soldaten, die das können.“
„Lieber Vater, die Zeiten, in denen man so denkt, sind glücklicherweise ein für alle Mal vorbei.“
1990 „Mein lieber Sohn, die Mauer ist gefallen, ich bin mir sicher, jetzt bekommen wir hier einen riesigen Linksruck zu spüren, wenn die ganzen ehemaligen Sozis zu uns rüber kommen.“
„Mein Chef meinte gestern noch, die neuen Bundesländer werden in kürzester Zeit derartig aufblühen, dass alle dort drüben vom Segen der Demokratie mit ihren wirtschaftlichen Freiheiten überzeugt sein werden.“
2005 „Es gibt Studien, die besagen, dass womöglich schon in 20 Jahren das Klima richtig große Schwierigkeiten bereiten wird, weil sich die Welt insgesamt viel zu schnell erwärmt.“
„Meine liebe Tochter, woher hast du denn diesen Quatsch! Wie soll das denn gehen? Die ganze Welt erwärmt sich. Freu dich doch, ihr fliegt doch so gerne in den Süden.“