Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Langsam aber sicher
Gibt’s das? Das gibt’s doch nicht! Oder vielleicht doch? Wo zum Kuckuck ist es nur???
Sie ist schon viel zu spät dran und bereits zweimal durch alle Räume gehetzt, aber es ist wie verhext. Nicht zu finden! Dabei geht ihr Zug in einer Stunde, ok, das ist noch ordentlich viel Zeit. Zum Glück ist sie meist zu früh dann, und mit jedem neuen Lebensjahr noch ein Stückchen früher. Aber wo ist nur dieses Sch …Ding, ohne das sie einfach nicht mehr auskommt.
Hätte sie doch gestern nur das Ticket noch rasch ausgedruckt, dann hätte sie es jetzt wenigstens in ihrer Tasche, aber natürlich ist sie hip, erledigt immer mehr digital, und natürlich ist sie umweltbewusst. Spart wo immer es geht Papier, ist doch klar. Sie könnte noch rasch Computer und Drucker hochfahren, aber herrje, sie wollte schon längst die Wohnung verlassen haben. Es ist bereits zehn nach neun. Nicht nur das Ticket ist drin, auch alle Telefonnummern und alle Chatverläufe, mittlerweile bezahlt sie auch damit, lässt sich wecken, studiert Wettervorhersage und Luftqualität in ihrem Bezirk.
Langsam aber sicher glaubt sie, dass hier ein Kobold am Werk ist, so ein kleiner, süßer, frecher Pumuckl, der in Meister Eders Werkstatt auch immer alles Mögliche versteckt hat. Erst Letztens hat sie mit ihrem erwachsenen Sohn ein paar von den neu gedrehten Folgen angesehen, wie haben sie sich gefreut und geschmunzelt. Wie gut das tat angesichts der bedrückenden Weltlage, sich an einem kleinem Pumuckl zu erfreuen.
Fast ist sie geneigt, ihn energisch zu bitten, ihr das Smartphone endlich zu bringen. Also noch einmal von vorn, Küche, Bad, Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer durchhasten, Decke und Kissen auf dem Sofa, Bettdecke, und Kleider im Schlafzimmer hochheben, den Schlüsselkorb durchwühlen, auf dem Balkon und im Kühlschrank nachsehen. Nichts.
Gestern Abend hatte sie es noch, soviel ist gewiss. Da hat sie seit langem mal wieder mit ihrer Tochter telefoniert, und was sie da gehört hat, hat ihr eine schlaflose Nacht bereitet. Job und Wohnung gekündigt, Freund verlassen, Anna scheint mit Ende zwanzig eine Krise zu haben, die alles Bisherige in Frage stellt. Sie geht jetzt erst einmal nach Indien und arbeitet dort für ein Entwicklungshilfeprojekt, hat sie ihr gestern gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen. Macht sie sich aber, und ihr Magen hat auch gleich in der Nacht heftig rebelliert, dreimal musste sie raus.
Sie hastet ins Bad, checkt mit den Augen alle Ablagen und Fächer, und siehe da, zwischen dem Stapel mit den Handtücher und der Box für das Waschmittel liegt das Ding. Unfassbar. Keinerlei Erinnerung mehr. Gibt's das? Akkustand ist noch zufriedenstellen, jetzt aber nichts wie los.
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Langsam aber sicher
Gibt’s das? Das gibt’s doch nicht! Oder vielleicht doch? Wo zum Kuckuck ist es nur???
Sie ist schon viel zu spät dran und bereits zweimal durch alle Räume gehetzt, aber es ist wie verhext. Nicht zu finden! Dabei geht ihr Zug in einer Stunde, ok, das ist noch ordentlich viel Zeit. Zum Glück ist sie meist zu früh dann, und mit jedem neuen Lebensjahr noch ein Stückchen früher. Aber wo ist nur dieses Sch …Ding, ohne das sie einfach nicht mehr auskommt.
Hätte sie doch gestern nur das Ticket noch rasch ausgedruckt, dann hätte sie es jetzt wenigstens in ihrer Tasche, aber natürlich ist sie hip, erledigt immer mehr digital, und natürlich ist sie umweltbewusst. Spart wo immer es geht Papier, ist doch klar. Sie könnte noch rasch Computer und Drucker hochfahren, aber herrje, sie wollte schon längst die Wohnung verlassen haben. Es ist bereits zehn nach neun. Nicht nur das Ticket ist drin, auch alle Telefonnummern und alle Chatverläufe, mittlerweile bezahlt sie auch damit, lässt sich wecken, studiert Wettervorhersage und Luftqualität in ihrem Bezirk.
Langsam aber sicher glaubt sie, dass hier ein Kobold am Werk ist, so ein kleiner, süßer, frecher Pumuckl, der in Meister Eders Werkstatt auch immer alles Mögliche versteckt hat. Erst Letztens hat sie mit ihrem erwachsenen Sohn ein paar von den neu gedrehten Folgen angesehen, wie haben sie sich gefreut und geschmunzelt. Wie gut das tat angesichts der bedrückenden Weltlage, sich an einem kleinem Pumuckl zu erfreuen.
Fast ist sie geneigt, ihn energisch zu bitten, ihr das Smartphone endlich zu bringen. Also noch einmal von vorn, Küche, Bad, Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer durchhasten, Decke und Kissen auf dem Sofa, Bettdecke, und Kleider im Schlafzimmer hochheben, den Schlüsselkorb durchwühlen, auf dem Balkon und im Kühlschrank nachsehen. Nichts.
Gestern Abend hatte sie es noch, soviel ist gewiss. Da hat sie seit langem mal wieder mit ihrer Tochter telefoniert, und was sie da gehört hat, hat ihr eine schlaflose Nacht bereitet. Job und Wohnung gekündigt, Freund verlassen, Anna scheint mit Ende zwanzig eine Krise zu haben, die alles Bisherige in Frage stellt. Sie geht jetzt erst einmal nach Indien und arbeitet dort für ein Entwicklungshilfeprojekt, hat sie ihr gestern gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen. Macht sie sich aber, und ihr Magen hat auch gleich in der Nacht heftig rebelliert, dreimal musste sie raus.
Sie hastet ins Bad, checkt mit den Augen alle Ablagen und Fächer, und siehe da, zwischen dem Stapel mit den Handtücher und der Box für das Waschmittel liegt das Ding. Unfassbar. Keinerlei Erinnerung mehr. Gibt's das? Akkustand ist noch zufriedenstellen, jetzt aber nichts wie los.