Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Langsam aber sicher
Sie ist außer sich und schlägt den Kofferdeckel zu. „Jetzt reicht’s. Dieses Hotel wurde mit seiner zentralen Lage in der Fussgängerzone als besonders ruhig beworben? Und jetzt dieser Lärm.“
Eigentlich sollte es ein entspanntes Wochenende werden, raus aus der Hektik des Alltags, sich treiben lassen, die kulinarische Vielfalt, die vielen Sehenswürdigkeiten direkt vor der Tür genießen. Doch dass es auch recht laut werden kann, bemerkten sie, als auf der Terrasse vor dem Hotel eine größere Gruppe lautstark ihr Ankommen feiert.
„Langsam aber sicher glaube ich, die haben es darauf abgesehen, hier den Ballermann aufleben zu lassen.“
„Vielleicht ist es gleich vorbei und sie ziehen weiter“.
„Da bin ich mir nicht so sicher.“ Sie verlässt das Zimmer, um unten an der Rezeption ihren Unmut loszuwerden.
Am nächsten Morgen gestaltet sich der Spaziergang zum Dom komplizierter als gedacht. Endlos lange Baustellen machen selbst den Fußweg beschwerlich. Die meisten Wegweiser sind abgedeckt oder durchgestrichen, das Handy kümmert sich noch weniger um die Umleitungen und improvisierte Übergänge durch die Straßen.
„Langsam aber sicher reicht’s mir. Wir gehen jetzt auf dieser Seite weiter, auch wenn hier kein Bürgersteig ist.“
„Nein, lass uns auf Grün warten und auf der anderen Seite weitergehen. Lieber langsamer, dafür aber sicher.“
Irgendwann erreichen sie doch ihr erstes Ziel, um festzustellen, dass der Dom wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und mit Planen so verhüllt ist, dass nicht einmal anständige Fotos möglich sind. Eine Kleinigkeit zu essen wäre jetzt nicht schlecht. Das im Internet als Geheimtipp favorisiertes Restaurant hat allerdings keinen Tisch mehr frei. Zwei Häuser weiter bekommen sie schließlich doch noch einen Platz. Der Tisch ist zwar etwas abseits, aber für einen Moment sind die Strapazen vergessen. Zufrieden beobachten sie den Eifer der Kellner, mit der sie das Essen an andere Tische servieren, bis sie bemerkt: „So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, an diesem Tisch hier will uns keiner bedienen.“
Die Hektik zwischen Küche und Gästesaal nimmt weiter zu, eine Unterhaltung ist kaum möglich, so ist jeder mit seinem Handy beschäftigt. Als dann doch irgendwann das Essen kommt, heißt es: „Entschuldigen Sie, wenn es etwas länger gedauert hat. Dafür ist der Ruccola besonders frisch und der Parmesan besonders reif“, meint der Kellner lächelnd.
„Langsam aber sicher glaube ich, die nehmen uns nicht ernst“, sie fischt alle gelblichen Ruccolablätter von ihrem Teller und nimmt sich den kleinen Rest Parmesan aus dem Schälchen. Nach dem Espresso dauert es erneut länger, bis sie bezahlen können. Die überfreundliche Verabschiedung des Kellners erwidert sie nicht.
„Der kann sich seinen Charme sonst wohin stecken.“
Sie bewegen sich Richtung Ausgang. „Langsam aber sicher glaube ich, du hast mich nur geheiratet, um jemanden zu haben, der dich davon abhält zu randalieren.“
„Ach, das finde ich ja klasse., dass du nach 35 Jahren endlich dahinter kommst. Ich hab schon gedacht, du checkst das nie.“
Die nächste Straße überqueren sie bei Rot.
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Langsam aber sicher
Sie ist außer sich und schlägt den Kofferdeckel zu. „Jetzt reicht’s. Dieses Hotel wurde mit seiner zentralen Lage in der Fussgängerzone als besonders ruhig beworben? Und jetzt dieser Lärm.“
Eigentlich sollte es ein entspanntes Wochenende werden, raus aus der Hektik des Alltags, sich treiben lassen, die kulinarische Vielfalt, die vielen Sehenswürdigkeiten direkt vor der Tür genießen. Doch dass es auch recht laut werden kann, bemerkten sie, als auf der Terrasse vor dem Hotel eine größere Gruppe lautstark ihr Ankommen feiert.
„Langsam aber sicher glaube ich, die haben es darauf abgesehen, hier den Ballermann aufleben zu lassen.“
„Vielleicht ist es gleich vorbei und sie ziehen weiter“.
„Da bin ich mir nicht so sicher.“ Sie verlässt das Zimmer, um unten an der Rezeption ihren Unmut loszuwerden.
Am nächsten Morgen gestaltet sich der Spaziergang zum Dom komplizierter als gedacht. Endlos lange Baustellen machen selbst den Fußweg beschwerlich. Die meisten Wegweiser sind abgedeckt oder durchgestrichen, das Handy kümmert sich noch weniger um die Umleitungen und improvisierte Übergänge durch die Straßen.
„Langsam aber sicher reicht’s mir. Wir gehen jetzt auf dieser Seite weiter, auch wenn hier kein Bürgersteig ist.“
„Nein, lass uns auf Grün warten und auf der anderen Seite weitergehen. Lieber langsamer, dafür aber sicher.“
Irgendwann erreichen sie doch ihr erstes Ziel, um festzustellen, dass der Dom wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und mit Planen so verhüllt ist, dass nicht einmal anständige Fotos möglich sind. Eine Kleinigkeit zu essen wäre jetzt nicht schlecht. Das im Internet als Geheimtipp favorisiertes Restaurant hat allerdings keinen Tisch mehr frei. Zwei Häuser weiter bekommen sie schließlich doch noch einen Platz. Der Tisch ist zwar etwas abseits, aber für einen Moment sind die Strapazen vergessen. Zufrieden beobachten sie den Eifer der Kellner, mit der sie das Essen an andere Tische servieren, bis sie bemerkt: „So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, an diesem Tisch hier will uns keiner bedienen.“
Die Hektik zwischen Küche und Gästesaal nimmt weiter zu, eine Unterhaltung ist kaum möglich, so ist jeder mit seinem Handy beschäftigt. Als dann doch irgendwann das Essen kommt, heißt es: „Entschuldigen Sie, wenn es etwas länger gedauert hat. Dafür ist der Ruccola besonders frisch und der Parmesan besonders reif“, meint der Kellner lächelnd.
„Langsam aber sicher glaube ich, die nehmen uns nicht ernst“, sie fischt alle gelblichen Ruccolablätter von ihrem Teller und nimmt sich den kleinen Rest Parmesan aus dem Schälchen. Nach dem Espresso dauert es erneut länger, bis sie bezahlen können. Die überfreundliche Verabschiedung des Kellners erwidert sie nicht.
„Der kann sich seinen Charme sonst wohin stecken.“
Sie bewegen sich Richtung Ausgang. „Langsam aber sicher glaube ich, du hast mich nur geheiratet, um jemanden zu haben, der dich davon abhält zu randalieren.“
„Ach, das finde ich ja klasse., dass du nach 35 Jahren endlich dahinter kommst. Ich hab schon gedacht, du checkst das nie.“
Die nächste Straße überqueren sie bei Rot.