Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Hoffnungsschimmer
Zufällig schnappe ich ein paar Worte der Tagesschaussprecherin auf, dabei bleibt vor allem dieses Wort hängen. Ich habe nicht bekommen, worum es geht, aber das Wort bleibt in meinem Kopf. Nicht weil ich es besonders schätze, vielmehr wundere ich mich darüber, wie selbstverständlich der Hoffnungsschimmer in den allabendlichen Nachrichten gebraucht wird. Er ist einfach in allen möglichen Zusammenhängen passend.
Da sind einmal die kleineren, nicht ganz so schlimmen Nachrichten: Bauernproteste und anschließende Verhandlungen mit Hoffnungsschimmer auf Einigung, Verletzungen bei Nationalschwimmer und Hoffnungsschimmer auf Besserung bis zum Turnier.
Da ist aber auch die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen, die unbedingt Hoffnungsschimmer braucht. Denn wenn zu wenig Hoffnung ist, konsumieren Bürger zu wenig, dann investiert die Wirtschaft nicht genug, dann wird überall gespart, Stillstand statt Wachstum zum Schaden aller. Hoffnungsschimmer am Horizont, ein äußerst wichtiger Faktor im wirtschaftlichen Getriebe, auf dem Arbeits- wie auf dem Aktienmarkt.
Dann kommen die größeren Katastrophen wie Überflutung, Brände, Einstürze, Terroranschläge mit Toten und Verletzten. Immer noch müssen aber Hoffnungsschimmer bleiben, um Überlebende, Ursachen und Schuldige zu finden, Schlimmeres in Zukunft zu verhindern. Und selbst bei den großen Konflikten und Kriegen mit scheiternden Waffenstillstandsabkommen und Friedensverhandlungen dürfen Hoffnungsschimmer niemals fehlen. Weil Einigungen in letzter Minute auch noch ermöglicht sind.
Wobei unterschieden werden muss zwischen einfacher und voller Hoffnung. Wer einfach nur hofft, sich geradezu sicher, ist, gilt doch schnell als naiv und etwas beschränkt. Solche Aussagen gehören jedenfalls nicht zum Vokabular der Nachrichtenredaktionen:
„Es hät noch immer juut jegange!“
„Klimaschwankungen hat es immer schon gegeben.“
„Freie Wirtschaft verläuft wellenförmig, das weiß doch jeder.“
„Man kann kann ja nicht ewig weiterkämpfen, irgendwann macht da keiner mehr mit.“
Aber ganz so düster wie Kabarett und Theaterbühnen dürfen Zynismus und Dystopie auch nicht zelebriert werden. Das ist auf Dauer nicht gesund, hemmt die Bildung von Dopaminen und ist geradezu gesundheitsschädlich. Wer will das schon. Genauso wie Sender, Magazine und Moderatoren auf ihre Zuschauer und Abonnenten angewiesen sind, und die wollen weiterhin Hoffnungen haben dürfen. Die beste Lösung dafür? Ein Schimmer, ein Streifen am Horizont. Da passt es, dass es manchmal nur der Wetterbericht ist, die uns etwas Schönes für die nächsten Tage verspricht.
Ich habe im Übrigen nichts gegen Hoffnungsschimmer einzuwenden. Eine etwas abwechslungsreichere Wortwahl würde ich mir aber schon wünschen.
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Hoffnungsschimmer
Zufällig schnappe ich ein paar Worte der Tagesschaussprecherin auf, dabei bleibt vor allem dieses Wort hängen. Ich habe nicht bekommen, worum es geht, aber das Wort bleibt in meinem Kopf. Nicht weil ich es besonders schätze, vielmehr wundere ich mich darüber, wie selbstverständlich der Hoffnungsschimmer in den allabendlichen Nachrichten gebraucht wird. Er ist einfach in allen möglichen Zusammenhängen passend.
Da sind einmal die kleineren, nicht ganz so schlimmen Nachrichten: Bauernproteste und anschließende Verhandlungen mit Hoffnungsschimmer auf Einigung, Verletzungen bei Nationalschwimmer und Hoffnungsschimmer auf Besserung bis zum Turnier.
Da ist aber auch die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen, die unbedingt Hoffnungsschimmer braucht. Denn wenn zu wenig Hoffnung ist, konsumieren Bürger zu wenig, dann investiert die Wirtschaft nicht genug, dann wird überall gespart, Stillstand statt Wachstum zum Schaden aller. Hoffnungsschimmer am Horizont, ein äußerst wichtiger Faktor im wirtschaftlichen Getriebe, auf dem Arbeits- wie auf dem Aktienmarkt.
Dann kommen die größeren Katastrophen wie Überflutung, Brände, Einstürze, Terroranschläge mit Toten und Verletzten. Immer noch müssen aber Hoffnungsschimmer bleiben, um Überlebende, Ursachen und Schuldige zu finden, Schlimmeres in Zukunft zu verhindern. Und selbst bei den großen Konflikten und Kriegen mit scheiternden Waffenstillstandsabkommen und Friedensverhandlungen dürfen Hoffnungsschimmer niemals fehlen. Weil Einigungen in letzter Minute auch noch ermöglicht sind.
Wobei unterschieden werden muss zwischen einfacher und voller Hoffnung. Wer einfach nur hofft, sich geradezu sicher, ist, gilt doch schnell als naiv und etwas beschränkt. Solche Aussagen gehören jedenfalls nicht zum Vokabular der Nachrichtenredaktionen:
„Es hät noch immer juut jegange!“
„Klimaschwankungen hat es immer schon gegeben.“
„Freie Wirtschaft verläuft wellenförmig, das weiß doch jeder.“
„Man kann kann ja nicht ewig weiterkämpfen, irgendwann macht da keiner mehr mit.“
Aber ganz so düster wie Kabarett und Theaterbühnen dürfen Zynismus und Dystopie auch nicht zelebriert werden. Das ist auf Dauer nicht gesund, hemmt die Bildung von Dopaminen und ist geradezu gesundheitsschädlich. Wer will das schon. Genauso wie Sender, Magazine und Moderatoren auf ihre Zuschauer und Abonnenten angewiesen sind, und die wollen weiterhin Hoffnungen haben dürfen. Die beste Lösung dafür? Ein Schimmer, ein Streifen am Horizont. Da passt es, dass es manchmal nur der Wetterbericht ist, die uns etwas Schönes für die nächsten Tage verspricht.
Ich habe im Übrigen nichts gegen Hoffnungsschimmer einzuwenden. Eine etwas abwechslungsreichere Wortwahl würde ich mir aber schon wünschen.