Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Ganz nebenbei
1
„Weißt du, wen ich in der Stadt getroffen habe?“
„Nein.“
„Jochen.“
„Den Jochen? Ihr habt euch doch Jahre nicht gesehen. Was hat er denn so erzählt?“
„Erst natürlich nur über Beruf, dann Kinder, die eigenen Eltern und so. Und dann hat er mich wissen lassen, er habe sich wieder ein Motorrad gekauft. Wie damals, wenn auch nicht so schnell, dafür aber stärker motorisiert. Und er hat mir erklärt, was Cruisen ist, von der Landschaft und der Maschine geschwärmt, wie das zusammenpasst und so was.“
„Ja und, lass ihn doch.“
„Und dann hat er noch ganz nebenbei erwähnt, dass er und Andrea sich getrennt haben und er jetzt mit einer Jasmin zusammenlebt, deutlich jünger.“
2
„Du glaubst es nicht, gestern habe ich per Zufall Martina auf dem Markt getroffen. Erinnerst du dich?“
"Du meinst die Kollegin, die damals überlegt hatte, ob sie mit in deinen Laden einsteigt?“
"Ja, und die dann schwanger wurde, geheiratet hat und ihren Traum von der Selbständigkeit hat sausen lassen. Mittlerweile ist sie Mutter, Hausfrau, drei Kinder, ihr Mann verdient gut, sehr gut. Und dann meinte sie, sie hätte immer genau verfolgt, wie das mit dem Laden so läuft und wie ich das mit den Kindern und allem schaffe.“
„Vielleicht hat sie ja ihre Entscheidung von damals bereut?“
„Glaub ich nicht. So ganz nebenbei hat sie gemeint, wie unverantwortlich sie ein Leben mit kleiner Rente, ohne finanzielle Rücklagen und ohne größeres Eigentum findet. Vor allem den eigenen Kindern gegenüber, wie sollen die dann mal was erben?“
3
„Und wie war gestern der Besuch deiner Nachbarn im Atelier?“
„Zunächst überhäufen sie einen mit Bewunderungen für die vielen schönen Bilder, die Freiheit, die Kreativität, die da zum Ausdruck kommt. Am liebsten würden sie ganz viel kaufen und zu Hause aufhängen. Aber der Platz fehlt. Es hängen schon so viele schöne Sachen, von denen man sich nicht trennen möchte. Ab da redeten sie mehr über das kreative Chaos und die vielen angefangenen Sachen, die so rumliegen, typisch Künstler halt.“
„Ja, jetzt nimm es doch mal als Kompliment.“
„Wie soll ich das denn verstehen, wenn sie so nebenbei davon berichten, dass ein jüngerer Halbbruder seit vielen Jahren immer wieder in die Psychiatrie muss, ehemals auch so ein Künstler.“
4
„Gestern berichtete mir meine Mutter, sie hätte Monika in der Stadt getroffen.“
„Deine hübsche Freundin Monika?“
„Ja, und die wäre trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer noch schlank und sportlich und im Gesicht fast noch unverändert, und sie hätte die Haare so schön gehabt und wäre so geschmackvoll angezogen gewesen.“
„Ja und, was ist daran so schlimm?“
„So ganz nebenbei meinte meine Mutter noch, früher wäre ich ja eigentlich die Hübschere von uns beiden gewesen. Aber jetzt, ob ich nicht mal was mit meinen grauen Haaren machen will, und überhaupt, im Gesicht und um die Augen, da gäbe es heute so viele Möglichkeiten.“
Texte zum Alltäglichen -
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Ganz nebenbei
1
„Weißt du, wen ich in der Stadt getroffen habe?“
„Nein.“
„Jochen.“
„Den Jochen? Ihr habt euch doch Jahre nicht gesehen. Was hat er denn so erzählt?“
„Erst natürlich nur über Beruf, dann Kinder, die eigenen Eltern und so. Und dann hat er mich wissen lassen, er habe sich wieder ein Motorrad gekauft. Wie damals, wenn auch nicht so schnell, dafür aber stärker motorisiert. Und er hat mir erklärt, was Cruisen ist, von der Landschaft und der Maschine geschwärmt, wie das zusammenpasst und so was.“
„Ja und, lass ihn doch.“
„Und dann hat er noch ganz nebenbei erwähnt, dass er und Andrea sich getrennt haben und er jetzt mit einer Jasmin zusammenlebt, deutlich jünger.“
2
„Du glaubst es nicht, gestern habe ich per Zufall Martina auf dem Markt getroffen. Erinnerst du dich?“
"Du meinst die Kollegin, die damals überlegt hatte, ob sie mit in deinen Laden einsteigt?“
"Ja, und die dann schwanger wurde, geheiratet hat und ihren Traum von der Selbständigkeit hat sausen lassen. Mittlerweile ist sie Mutter, Hausfrau, drei Kinder, ihr Mann verdient gut, sehr gut. Und dann meinte sie, sie hätte immer genau verfolgt, wie das mit dem Laden so läuft und wie ich das mit den Kindern und allem schaffe.“
„Vielleicht hat sie ja ihre Entscheidung von damals bereut?“
„Glaub ich nicht. So ganz nebenbei hat sie gemeint, wie unverantwortlich sie ein Leben mit kleiner Rente, ohne finanzielle Rücklagen und ohne größeres Eigentum findet. Vor allem den eigenen Kindern gegenüber, wie sollen die dann mal was erben?“
3
„Und wie war gestern der Besuch deiner Nachbarn im Atelier?“
„Zunächst überhäufen sie einen mit Bewunderungen für die vielen schönen Bilder, die Freiheit, die Kreativität, die da zum Ausdruck kommt. Am liebsten würden sie ganz viel kaufen und zu Hause aufhängen. Aber der Platz fehlt. Es hängen schon so viele schöne Sachen, von denen man sich nicht trennen möchte. Ab da redeten sie mehr über das kreative Chaos und die vielen angefangenen Sachen, die so rumliegen, typisch Künstler halt.“
„Ja, jetzt nimm es doch mal als Kompliment.“
„Wie soll ich das denn verstehen, wenn sie so nebenbei davon berichten, dass ein jüngerer Halbbruder seit vielen Jahren immer wieder in die Psychiatrie muss, ehemals auch so ein Künstler.“
4
„Gestern berichtete mir meine Mutter, sie hätte Monika in der Stadt getroffen.“
„Deine hübsche Freundin Monika?“
„Ja, und die wäre trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer noch schlank und sportlich und im Gesicht fast noch unverändert, und sie hätte die Haare so schön gehabt und wäre so geschmackvoll angezogen gewesen.“
„Ja und, was ist daran so schlimm?“
„So ganz nebenbei meinte meine Mutter noch, früher wäre ich ja eigentlich die Hübschere von uns beiden gewesen. Aber jetzt, ob ich nicht mal was mit meinen grauen Haaren machen will, und überhaupt, im Gesicht und um die Augen, da gäbe es heute so viele Möglichkeiten.“