Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Falschliegen
„Sie meinen jetzt aber nicht, wenn ich morgens nicht dort liege …“
„Ich meine gar nichts“, sagt die seltsame Stimme, die wie aus dem Nichts zu kommen scheint.
„Ich dachte schon.“
„Was dachten Sie? Haben Sie denn nicht manchmal solche Gedanken … oder Wünsche?“
„Wer hat die nicht? Sie nicht? Morgens aufzuwachen, und irgendwie wäre alles ganz anders. Ein anderer Mensch neben Dir im Bett, im Bad, am Küchentisch, du hast einen schöneren und gesünderen Körper, eine schönere Wohnung, einen besseren Job und eine eindeutig nettere Schwiegermutter. Nur die Kinder, die sollen bleiben, meine drei Kinder sind nämlich die besten der Welt.“
„Na, nun übertreiben Sie mal nicht.“
„Doch, wirklich, großes Indianerwort, meine drei Schlingels würde ich niemals tauschen wollen, auch wenn sie mir manches Mal so was von auf die Nerven gehen.
Eine kleine Pause entsteht, während der sie die Augen schließt und gleich wieder aufmacht, um ja nicht einzuschlafen. In einer Viertelstunde hat sie den nächsten Call. Und leider ist sie schon den ganzen Tag über so unglaublich müde, ach was, die ganze Woche schon und die davor auch. Vielleicht sollte sie zur Hausärztin gehen, statt sich hier mit seltsamen Gedankenspielen wach zu halten.
„Was würden Sie sich anderes wünschen?“
„Sie sind mir ja eine.“
„Dafür bin ich da.“
„Und wer sind Sie bitte schön, ich kann mich nicht erinnern, dass Sie sich vorgestellt haben, geschweige denn, dass ich Sie eingeladen und gebeten habe, mein Leben durcheinander zu bringen, Frau … wie war bitte noch einmal Ihr Name?“
„Nun seien Sie doch bitte nicht so ärgerlich, ich will Ihnen doch nichts Böses, ich bin einfach Ihr zweites Ich, Ihr Schutzengel, jemand, der auf Sie aufpasst.“
„Sie meinen also, dass ich nicht gut für mich sorge?“
„Was meinen Sie denn?“
„Frage mit Gegenfrage beantworten, dass macht schon mein Mann.“
„Und, sorgen Sie für sich?“
„Typische Wohlstandsfrage. Als wäre das der Gradmesser. Ich mache Vieles richtig und könnte Vieles anderes machen.“
„Prima, und sonst?“
„In Vielem mache ich mir auch was vor, liege oft daneben oder ganz und gar falsch.“
„Ist das schlimm?“
„Da ich keine CEO, Ärztin oder Politikerin bin, nein, nicht wirklich schlimm. Aber Fehler gebe ich halt nicht gerne zu.“
„Üben Sie mal, ist gar nicht so schwer, und kommt gut rüber.“
„Schlaumeierin.“
„Und sonst?“
„Ich werde mal drüber nachdenken.“
Texte zum Alltäglichen -
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Falschliegen
„Sie meinen jetzt aber nicht, wenn ich morgens nicht dort liege …“
„Ich meine gar nichts“, sagt die seltsame Stimme, die wie aus dem Nichts zu kommen scheint.
„Ich dachte schon.“
„Was dachten Sie? Haben Sie denn nicht manchmal solche Gedanken … oder Wünsche?“
„Wer hat die nicht? Sie nicht? Morgens aufzuwachen, und irgendwie wäre alles ganz anders. Ein anderer Mensch neben Dir im Bett, im Bad, am Küchentisch, du hast einen schöneren und gesünderen Körper, eine schönere Wohnung, einen besseren Job und eine eindeutig nettere Schwiegermutter. Nur die Kinder, die sollen bleiben, meine drei Kinder sind nämlich die besten der Welt.“
„Na, nun übertreiben Sie mal nicht.“
„Doch, wirklich, großes Indianerwort, meine drei Schlingels würde ich niemals tauschen wollen, auch wenn sie mir manches Mal so was von auf die Nerven gehen.
Eine kleine Pause entsteht, während der sie die Augen schließt und gleich wieder aufmacht, um ja nicht einzuschlafen. In einer Viertelstunde hat sie den nächsten Call. Und leider ist sie schon den ganzen Tag über so unglaublich müde, ach was, die ganze Woche schon und die davor auch. Vielleicht sollte sie zur Hausärztin gehen, statt sich hier mit seltsamen Gedankenspielen wach zu halten.
„Was würden Sie sich anderes wünschen?“
„Sie sind mir ja eine.“
„Dafür bin ich da.“
„Und wer sind Sie bitte schön, ich kann mich nicht erinnern, dass Sie sich vorgestellt haben, geschweige denn, dass ich Sie eingeladen und gebeten habe, mein Leben durcheinander zu bringen, Frau … wie war bitte noch einmal Ihr Name?“
„Nun seien Sie doch bitte nicht so ärgerlich, ich will Ihnen doch nichts Böses, ich bin einfach Ihr zweites Ich, Ihr Schutzengel, jemand, der auf Sie aufpasst.“
„Sie meinen also, dass ich nicht gut für mich sorge?“
„Was meinen Sie denn?“
„Frage mit Gegenfrage beantworten, dass macht schon mein Mann.“
„Und, sorgen Sie für sich?“
„Typische Wohlstandsfrage. Als wäre das der Gradmesser. Ich mache Vieles richtig und könnte Vieles anderes machen.“
„Prima, und sonst?“
„In Vielem mache ich mir auch was vor, liege oft daneben oder ganz und gar falsch.“
„Ist das schlimm?“
„Da ich keine CEO, Ärztin oder Politikerin bin, nein, nicht wirklich schlimm. Aber Fehler gebe ich halt nicht gerne zu.“
„Üben Sie mal, ist gar nicht so schwer, und kommt gut rüber.“
„Schlaumeierin.“
„Und sonst?“
„Ich werde mal drüber nachdenken.“