Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Falschliegen
Früher waren es Zigarettenmarken, Weinbände, Waschmittel oder Damenunterwäsche, für die ungefragt in Fernseh-, Radio- und Illustrierten geworben wurde. Man ließ es geduldig über sich ergehen, interessieren tat es die wenigsten. Der eine oder andere Werbereim oder eine Erkennungsmelodie blieben hängen, ansonsten wurde einfach gedruckt, gesendet geklebt, irgendwie würde es sich schon bezahlt machen .
Heute ist es anders.
Im Internet werden jedem genau die Werbeanzeigen gezeigt, die überraschender Weise gar nicht so unpassend sind. So begnügt sich das Internet bei mir noch nicht einmal damit, mir alle möglichen Dinge vorzuschlagen, die das Leben von Männern meines Alter aufregender oder bequemer machen. Es merkt sich ganz spezielle und seltene Interessensbekundigungen, die ich irgendwann mal gezeigt habe. So wie ich mich mal eine Zeitlang nach Hebebühnen und treppenfähigen Sackkarren im Netz erkundigt habe. Im Baumarkt wäre das keinem aufgefallen, im Internet bin ich seitdem für sämtliche Firmen interessant, die diese Wunderwerkzeuge in ihrem Angebote haben.
Was ich hingegen nicht verstehe: Ich werde mehrmals täglich gefragt, wie ich schlafe. Also nicht nur die Frage, ob gut oder schlecht. Vielmehr werde ich auch nach Rücken-, Seiten- oder Bauchlage, genauso wie nach meinem bevorzugten Kopfkissenstil gefragt: Keil- Rund- oder Konkav-Form. Ich habe mich noch nie für unterschiedliche Schlafstile interessiert. Ich schlafe gut, ohne weiter darüber nachzudenken. Warum werden mir dennoch ständig ausgeklügelte Grafiken angeboten, in denen mir das 'Falschliegen' auf eindrückliche Weise gezeigt wird, um dem das 'Richtigliegen' gegenüber zu stellen? Seit dem beschäftigt mich nun auch noch die Frage, bin ich ein 'Falschlieger' ohne es zu wissen? Denn dabei können Gaumenposition, Rachenkrümmung, Halswirbel- und Lendenwirbelbeugung gefährlich gebogen und gestaucht werden. Und das kann womöglich Blut-, Atem- und Lebensströme stören, womit sich damit alle anderen Probleme meiner Existenz auch erklären und lösen ließen.
Er werden mir Adressen und Filialen angeboten, bei denen ich mich unter fachlicher Betreuung vermessen lassen kann. Es werden mir spezielle Lattenroste samt Matratze mit sieben unterschiedlichen Liegezonen vorgeschlagen, bei denen jede Region meines Körpers eine optimale Unterstützung bekommt. Das grenzt schon an betreutes Schlafen.
Ich versuche, diese Bilder vom Falschliegen möglichst schnell aus dem Kopf zu bekommen. Vielleicht sollte ich dem Internet- Algorithmus neue Interessen vortäuschen, um sie auf eine andere Fährte zu locken? Ich könnte mich für Klappzelte interessieren, die sich auf die Dächer von SUV´s montieren lassen und für Adventure Ausrüstungen mit Schlafmöglichkeiten oberhalb der Baumgrenze für Hochgebirgstouren. Danach werden sie mich hoffentlich als 'Alleslieger' einstufen, der keine sieben Schlafzonen braucht.
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Falschliegen
Früher waren es Zigarettenmarken, Weinbände, Waschmittel oder Damenunterwäsche, für die ungefragt in Fernseh-, Radio- und Illustrierten geworben wurde. Man ließ es geduldig über sich ergehen, interessieren tat es die wenigsten. Der eine oder andere Werbereim oder eine Erkennungsmelodie blieben hängen, ansonsten wurde einfach gedruckt, gesendet geklebt, irgendwie würde es sich schon bezahlt machen .
Heute ist es anders.
Im Internet werden jedem genau die Werbeanzeigen gezeigt, die überraschender Weise gar nicht so unpassend sind. So begnügt sich das Internet bei mir noch nicht einmal damit, mir alle möglichen Dinge vorzuschlagen, die das Leben von Männern meines Alter aufregender oder bequemer machen. Es merkt sich ganz spezielle und seltene Interessensbekundigungen, die ich irgendwann mal gezeigt habe. So wie ich mich mal eine Zeitlang nach Hebebühnen und treppenfähigen Sackkarren im Netz erkundigt habe. Im Baumarkt wäre das keinem aufgefallen, im Internet bin ich seitdem für sämtliche Firmen interessant, die diese Wunderwerkzeuge in ihrem Angebote haben.
Was ich hingegen nicht verstehe: Ich werde mehrmals täglich gefragt, wie ich schlafe. Also nicht nur die Frage, ob gut oder schlecht. Vielmehr werde ich auch nach Rücken-, Seiten- oder Bauchlage, genauso wie nach meinem bevorzugten Kopfkissenstil gefragt: Keil- Rund- oder Konkav-Form. Ich habe mich noch nie für unterschiedliche Schlafstile interessiert. Ich schlafe gut, ohne weiter darüber nachzudenken. Warum werden mir dennoch ständig ausgeklügelte Grafiken angeboten, in denen mir das 'Falschliegen' auf eindrückliche Weise gezeigt wird, um dem das 'Richtigliegen' gegenüber zu stellen? Seit dem beschäftigt mich nun auch noch die Frage, bin ich ein 'Falschlieger' ohne es zu wissen? Denn dabei können Gaumenposition, Rachenkrümmung, Halswirbel- und Lendenwirbelbeugung gefährlich gebogen und gestaucht werden. Und das kann womöglich Blut-, Atem- und Lebensströme stören, womit sich damit alle anderen Probleme meiner Existenz auch erklären und lösen ließen.
Er werden mir Adressen und Filialen angeboten, bei denen ich mich unter fachlicher Betreuung vermessen lassen kann. Es werden mir spezielle Lattenroste samt Matratze mit sieben unterschiedlichen Liegezonen vorgeschlagen, bei denen jede Region meines Körpers eine optimale Unterstützung bekommt. Das grenzt schon an betreutes Schlafen.
Ich versuche, diese Bilder vom Falschliegen möglichst schnell aus dem Kopf zu bekommen. Vielleicht sollte ich dem Internet- Algorithmus neue Interessen vortäuschen, um sie auf eine andere Fährte zu locken? Ich könnte mich für Klappzelte interessieren, die sich auf die Dächer von SUV´s montieren lassen und für Adventure Ausrüstungen mit Schlafmöglichkeiten oberhalb der Baumgrenze für Hochgebirgstouren. Danach werden sie mich hoffentlich als 'Alleslieger' einstufen, der keine sieben Schlafzonen braucht.