Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Einfach so
Endlich wieder in die Schule gehen, neben anderen Kindern sitzen und ganz viel lernen, auch drei neue Sprachen, im Sportunterricht turnen, schwimmen und Fußball spielen, in den Pausen toben. Als Jugendliche dann kurze Röcke und Bermudas tragen, mit Freunden ins Ferienlager nach Dänemark, nackte Menschen in der Sauna. Fridays for future Aktionen, weil Klima uns alle angeht. Das erste Ausgehen, die erste Disco, der erste Drink und auch der erste Kuss. Abitur, Studium, Auslandsaufenthalte in Frankreich und England. Hochzeit. Als angehende Ärztin im Krankenhaus Tag- und Nachtschichten, untersuchen, entscheiden, behandeln, operieren, aufklären und trösten auch.
Alles ohne Einschränkungen und Ängste, ohne Kopftuch. Einfach so. Weil ich endlich in einem freien Land lebe, in Europa, in Deutschland, in Berlin.
Die kommen einfach so her und kassieren ab. Sollen alle wieder dahin, wo sie hergekommen sind, wir hätten endlich wieder unsere Ruhe und es ginge uns wieder besser.
"Ihre Hüfte sieht nicht gut aus, wir werden operieren müssen."
"Von einer Ausländerin lasse ich mich nicht behandeln."
"Ich bin Deutsche."
"Seit wann?"
"Wenn Sie sich hier nicht behandeln lassen möchten, müssen Sie sich ein anderes Krankenhaus suchen."
"Sie sprechen gut Deutsch."
"Sie auch."
"Die kommen einfach so her und kassieren ab. Sollen alle wieder dahin, wo sie hergekommen sind, wir hätten endlich wieder unsere Ruhe und es ginge uns wieder besser. Nur die eine Ärztin, die mich behandelt hat, da machen wir mal eine Ausnahme. Einfach so.
Viele wundern sich immer noch, dass ich hier bin. Dass ich als Ärztin arbeite und als verheiratete Frau nicht mit Kopftuch und langem Gewand mit vielen Kindern nur zuhause hocke. Dass ich so gut Deutsch, Englisch und Französisch spreche und eine sehr gute Ärztin und Hüftspezialistin bin. Wir sollten wohl alle mehr miteinander zu tun haben, einfach so, dann wäre Vieles einfacher.
Texte zum Alltäglichen -
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Einfach so
Endlich wieder in die Schule gehen, neben anderen Kindern sitzen und ganz viel lernen, auch drei neue Sprachen, im Sportunterricht turnen, schwimmen und Fußball spielen, in den Pausen toben. Als Jugendliche dann kurze Röcke und Bermudas tragen, mit Freunden ins Ferienlager nach Dänemark, nackte Menschen in der Sauna. Fridays for future Aktionen, weil Klima uns alle angeht. Das erste Ausgehen, die erste Disco, der erste Drink und auch der erste Kuss. Abitur, Studium, Auslandsaufenthalte in Frankreich und England. Hochzeit. Als angehende Ärztin im Krankenhaus Tag- und Nachtschichten, untersuchen, entscheiden, behandeln, operieren, aufklären und trösten auch.
Alles ohne Einschränkungen und Ängste, ohne Kopftuch. Einfach so. Weil ich endlich in einem freien Land lebe, in Europa, in Deutschland, in Berlin.
Die kommen einfach so her und kassieren ab. Sollen alle wieder dahin, wo sie hergekommen sind, wir hätten endlich wieder unsere Ruhe und es ginge uns wieder besser.
"Ihre Hüfte sieht nicht gut aus, wir werden operieren müssen."
"Von einer Ausländerin lasse ich mich nicht behandeln."
"Ich bin Deutsche."
"Seit wann?"
"Wenn Sie sich hier nicht behandeln lassen möchten, müssen Sie sich ein anderes Krankenhaus suchen."
"Sie sprechen gut Deutsch."
"Sie auch."
"Die kommen einfach so her und kassieren ab. Sollen alle wieder dahin, wo sie hergekommen sind, wir hätten endlich wieder unsere Ruhe und es ginge uns wieder besser. Nur die eine Ärztin, die mich behandelt hat, da machen wir mal eine Ausnahme. Einfach so.
Viele wundern sich immer noch, dass ich hier bin. Dass ich als Ärztin arbeite und als verheiratete Frau nicht mit Kopftuch und langem Gewand mit vielen Kindern nur zuhause hocke. Dass ich so gut Deutsch, Englisch und Französisch spreche und eine sehr gute Ärztin und Hüftspezialistin bin. Wir sollten wohl alle mehr miteinander zu tun haben, einfach so, dann wäre Vieles einfacher.