Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Das hat sich gelohnt
All die Anstrengungen und Mühen, Pläne, Vorbereitungen, das Durchbeißen und Verkneifen, es hat sich doch gelohnt. Dieser Satz beruhigt und rechtfertigt alles. Ein Satz wie aus einer Festschrift.
Vielleicht denkt sich der Kanzler das auch. Wie viele Jahre hat er auf diesen, seinen Traumjob gewartet? Dreißig? Fast die Hälfte seines Lebens. Er wirkte erleichtert und stolz, fast glücklich bei seinen ersten Terminen, die er im Minutentakt wahrnahm. Alles Beschämende und auch Demütigende auf dem langen Weg ist bis heute nicht mehr zu sehen. Da hat sich jemand ein Ziel gesetzt und hat es dann doch noch erreicht. Auch nach einem Jahr scheint die Freude immer noch die Mühe des Amtes zu übertönen.
Ohne Fleiß kein Preis, sagte schon seine Mutter. Die einfache schwäbische Hausfrau, der er über sehr viele Jahre das Leben beschwert hat. Er war eben ein klassischer Junge, einer der nach aussen nichts fühlt und der doch alles fühlt. Übersehen von den Mädchen irrte er lange umher, abgelenkt von Drugs and Rock‘n Roll. Sex kam leider erst später dazu, als er die Haare endlich länger trug. Jobbte hier und dort, reise überall hin, begann zu studieren, pausierte, fing wieder an, änderte mehrfach das Studienfach, zog zwölfmal um in vier verschiedenen Städten. Traf mit Mitte Dreißig die Entscheidung, doch noch Gas zu geben. Promovierte und traf auf Charlotte, die toughe Frau aus Hamburg. Dann lief alles wie am Schnürchen, seine Mutter wurde dreifache Großmutter und war endlich stolz auf ihn.
Rückblickend hat es sich also gelohnt, sich erstmal treiben zu lassen, alle möglichen Seiten- und Umwege zu gehen und dann konzentriert und kraftvoll auf dem Pfad der erfolgreichen Bürgerlichkeit weiter zu marschieren. Bis jetzt sind glücklicherweise Rück-, Nacken- und Schicksalsschläge ausgeblieben. Und wenn sie irgendwann kommen werden? Schließlich kommen jetzt die Jahre, wo sie passieren können, bei sich, seinen vier Liebsten und den Freunden.
Wie es auch kommen mag, jeder Tag seines Lebens, so mies manche auch waren, haben sich gelohnt. Haben sie ihn doch zu dem gemacht, der er heute ist. Zufrieden und glücklich. Es gab Jahre, da hätte er sich das nicht im Traum vorstellen können.
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Das hat sich gelohnt
All die Anstrengungen und Mühen, Pläne, Vorbereitungen, das Durchbeißen und Verkneifen, es hat sich doch gelohnt. Dieser Satz beruhigt und rechtfertigt alles. Ein Satz wie aus einer Festschrift.
Vielleicht denkt sich der Kanzler das auch. Wie viele Jahre hat er auf diesen, seinen Traumjob gewartet? Dreißig? Fast die Hälfte seines Lebens. Er wirkte erleichtert und stolz, fast glücklich bei seinen ersten Terminen, die er im Minutentakt wahrnahm. Alles Beschämende und auch Demütigende auf dem langen Weg ist bis heute nicht mehr zu sehen. Da hat sich jemand ein Ziel gesetzt und hat es dann doch noch erreicht. Auch nach einem Jahr scheint die Freude immer noch die Mühe des Amtes zu übertönen.
Ohne Fleiß kein Preis, sagte schon seine Mutter. Die einfache schwäbische Hausfrau, der er über sehr viele Jahre das Leben beschwert hat. Er war eben ein klassischer Junge, einer der nach aussen nichts fühlt und der doch alles fühlt. Übersehen von den Mädchen irrte er lange umher, abgelenkt von Drugs and Rock‘n Roll. Sex kam leider erst später dazu, als er die Haare endlich länger trug. Jobbte hier und dort, reise überall hin, begann zu studieren, pausierte, fing wieder an, änderte mehrfach das Studienfach, zog zwölfmal um in vier verschiedenen Städten. Traf mit Mitte Dreißig die Entscheidung, doch noch Gas zu geben. Promovierte und traf auf Charlotte, die toughe Frau aus Hamburg. Dann lief alles wie am Schnürchen, seine Mutter wurde dreifache Großmutter und war endlich stolz auf ihn.
Rückblickend hat es sich also gelohnt, sich erstmal treiben zu lassen, alle möglichen Seiten- und Umwege zu gehen und dann konzentriert und kraftvoll auf dem Pfad der erfolgreichen Bürgerlichkeit weiter zu marschieren. Bis jetzt sind glücklicherweise Rück-, Nacken- und Schicksalsschläge ausgeblieben. Und wenn sie irgendwann kommen werden? Schließlich kommen jetzt die Jahre, wo sie passieren können, bei sich, seinen vier Liebsten und den Freunden.
Wie es auch kommen mag, jeder Tag seines Lebens, so mies manche auch waren, haben sich gelohnt. Haben sie ihn doch zu dem gemacht, der er heute ist. Zufrieden und glücklich. Es gab Jahre, da hätte er sich das nicht im Traum vorstellen können.