Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Das hat sich gelohnt
Die Türen vom Kino öffnen sich und ein warmer Sommerabendwind weht ihnen entgegen. Für einen Moment stehen sie einfach da, unsicher, wie sie den Abend enden lassen sollen. „Der Film war wirklich gut“, sind sie sich schnell einig, und überlegen, doch noch ein Bier miteinander zu trinken. Schließlich waren sie heute Abend zum ersten Mal verabredet. Später werden sie diesen Abend als den Anfang ihrer Beziehung benennen. Der Film hatte sich also in mehrfacher Weise gelohnt.
Schon während des Studiums wohnen sie zusammen, doch als sie vor dem Examen steht, wird ihr klar, dass sie ihr Jurastudium nicht beenden möchte. Für ihre Eltern und Verwandten ein Schock, vollkommen unverständlich. Doch ihr Freund unterstützt sie, schließlich verdient er bereits gutes Geld in einem Landschaftsarchitekturbüro. Ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin ist relativ teuer. Aber schon kurze Zeit nach der Eröffnung ihrer eigenen Praxis läuft es bereits sehr gut. Sie sind verheiratet und er kümmert er sich zu Hause um die beiden Kinder. „Stell dir mal vor, ich säße jetzt, wie geplant in einem Anwaltsbüro, nicht auszudenken.“
Jahre später, als die Stadt längst nicht mehr aufregend, sondern vertraut geworden ist, die Kinder groß sind, denkt er darüber nach, aufs Land ziehen. Er möchte seiner Leidenschaft als Naturschützer nachgehen und ein Gutachter-Büro eröffnen. Sie möchte lieber in der Stadt bleiben mit ihrer Praxis, die weiterhin gut läuft. Ihre gemeinsamen Freunde sind entsetzt: „Und wie ist das jetzt für dich?“, wird sie gefragt. „Es ist vollkommen okay. Es hat sich wirklich gelohnt, die Zeit mit uns."
Wenige Zeit später hat sie eine enge und intime Beziehung mit einer Freundin. Sie wohnen nicht zusammen, unternehmen aber viele Dinge miteinander, Reisen, Sport, Garten, nur die erwachsenen Kinder und Enkel müssen weitgehend ohne Oma und Opa auskommen. Nach vielen Jahren auf der Abiturfeier des ältesten Enkel treffen sie und ihr ehemaliger Mann sich dann doch wieder, nach Jahren. Sie hätten es selber nicht für möglich gehalten, zwischen ihnen ist es so vertraut wie am ersten Tag. Ihr Mann ist mittlerweile im Ruhestand. Da er wieder in die Stadt zurück möchte, ziehen sie nach kurzer Zeit wieder zusammen. Als sie frühzeitiger als nötig ihre Praxis an eine Nachfolgerin übergibt, wird sie gefragt; „Hast du keine Angst, dass du es eines Tages bereuen wirst?“ „Überhaupt nicht.“
Sie verbringen noch einige Jahre miteinander, als sie plötzlich sehr krank wird. Mit 86 Jahren verstirbt sie. Die Ansprache des zuständigen Pfarrers verläuft anders, als die vielen Menschen, ehemalige Klienten, Nachbarn, und die Familie es erwartet haben. Er spricht von vielen schwierigen Brüchen und Wendungen, von Rastlosigkeit und davon, nie richtig angekommen zu sein im Leben. Dennoch dürfe sie auf Gottes Güte hoffen.
„Wieso?“, flüstert die Tochter ihrem Bruder zu, „sie hat doch immer gesagt, das hat sich irgendwie gelohnt.“
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Das hat sich gelohnt
Die Türen vom Kino öffnen sich und ein warmer Sommerabendwind weht ihnen entgegen. Für einen Moment stehen sie einfach da, unsicher, wie sie den Abend enden lassen sollen. „Der Film war wirklich gut“, sind sie sich schnell einig, und überlegen, doch noch ein Bier miteinander zu trinken. Schließlich waren sie heute Abend zum ersten Mal verabredet. Später werden sie diesen Abend als den Anfang ihrer Beziehung benennen. Der Film hatte sich also in mehrfacher Weise gelohnt.
Schon während des Studiums wohnen sie zusammen, doch als sie vor dem Examen steht, wird ihr klar, dass sie ihr Jurastudium nicht beenden möchte. Für ihre Eltern und Verwandten ein Schock, vollkommen unverständlich. Doch ihr Freund unterstützt sie, schließlich verdient er bereits gutes Geld in einem Landschaftsarchitekturbüro. Ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin ist relativ teuer. Aber schon kurze Zeit nach der Eröffnung ihrer eigenen Praxis läuft es bereits sehr gut. Sie sind verheiratet und er kümmert er sich zu Hause um die beiden Kinder. „Stell dir mal vor, ich säße jetzt, wie geplant in einem Anwaltsbüro, nicht auszudenken.“
Jahre später, als die Stadt längst nicht mehr aufregend, sondern vertraut geworden ist, die Kinder groß sind, denkt er darüber nach, aufs Land ziehen. Er möchte seiner Leidenschaft als Naturschützer nachgehen und ein Gutachter-Büro eröffnen. Sie möchte lieber in der Stadt bleiben mit ihrer Praxis, die weiterhin gut läuft. Ihre gemeinsamen Freunde sind entsetzt: „Und wie ist das jetzt für dich?“, wird sie gefragt. „Es ist vollkommen okay. Es hat sich wirklich gelohnt, die Zeit mit uns."
Wenige Zeit später hat sie eine enge und intime Beziehung mit einer Freundin. Sie wohnen nicht zusammen, unternehmen aber viele Dinge miteinander, Reisen, Sport, Garten, nur die erwachsenen Kinder und Enkel müssen weitgehend ohne Oma und Opa auskommen. Nach vielen Jahren auf der Abiturfeier des ältesten Enkel treffen sie und ihr ehemaliger Mann sich dann doch wieder, nach Jahren. Sie hätten es selber nicht für möglich gehalten, zwischen ihnen ist es so vertraut wie am ersten Tag. Ihr Mann ist mittlerweile im Ruhestand. Da er wieder in die Stadt zurück möchte, ziehen sie nach kurzer Zeit wieder zusammen. Als sie frühzeitiger als nötig ihre Praxis an eine Nachfolgerin übergibt, wird sie gefragt; „Hast du keine Angst, dass du es eines Tages bereuen wirst?“ „Überhaupt nicht.“
Sie verbringen noch einige Jahre miteinander, als sie plötzlich sehr krank wird. Mit 86 Jahren verstirbt sie. Die Ansprache des zuständigen Pfarrers verläuft anders, als die vielen Menschen, ehemalige Klienten, Nachbarn, und die Familie es erwartet haben. Er spricht von vielen schwierigen Brüchen und Wendungen, von Rastlosigkeit und davon, nie richtig angekommen zu sein im Leben. Dennoch dürfe sie auf Gottes Güte hoffen.
„Wieso?“, flüstert die Tochter ihrem Bruder zu, „sie hat doch immer gesagt, das hat sich irgendwie gelohnt.“