Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Allein
Allein die Frage ist schon eine Zumutung und wie so oft wieder ein Stück weit übergriffig. Ob ich mich nicht alleine fühle, wollte sie wissen, jetzt wo es Jonas nicht mehr gibt in meinem Leben. Also wirklich, typisch Mama, hat sie gedacht und nur den Kopf geschüttelt.
Der Typ kann mir gestohlen bleiben, nach allem, was sie mittlerweile über ihn weiß. Sie bekommt ihr Leben auch ohne ihn gut hin, sehr gut sogar. Ist neulich erst befördert worden und schätzt ihre neuen Aufgaben sehr, erfährt volle Wertschätzung vom Team und von ihrer Chefin. Ist ziemlich beschäftigt, hat immer mit guten und interessanten Leuten zu tun, geht abends öfters mit Kolleg:innen noch einen trinken, zweimal die Woche ins Gym, am Wochenende trifft sie Freundinnen und war neulich sogar mal wieder bei einem Fußballspiel. Das ist schon toll, inmitten von vierundfünfzigtausend Menschen zu sitzen, mitzufiebern und anzufeuern. Leute, die sie im normalen Leben nie, niemals treffen würde. Doch für die neunzig Minuten haben alle ein gemeinsames Ziel, den Sieg ihrer Mannschaft. Für viele von ihnen ist das sicherlich so etwas wie Heimat oder Familie, und wenn manche dann abends alleine nach Hause kommen, trägt sie immer noch das satte Gefühl von Gemeinschaft.
So geht’s ihr ja letztlich auch die ganze Woche über. Ist soviel unter Menschen, dass sie super gerne auch mal alleine ist, nichts reden, nicht zuhören, auf nichts reagieren muss und einfach so vor sich hin kruscheln kann. Wie sie das genießt, wie sie das braucht. Damit müsste ein neuer Partner auf jeden Fall umgehen können ohne sich gleich abgelehnt zu fühlen.
Wer weiß, vielleicht fühlt sich ja eigentlich gerade Mama ziemlich alleine, obwohl sie immer noch gemeinsam mit Papa im alten Haus lebt. Oder auch weil, denn seit seiner Pensionierung ist er doch ziemlich leblos geworden und sitzt am liebsten nur zuhause rum. Vielleicht fragt sie sie beim nächsten Telefonat mal, ob sie sich nicht alleine oder gar einsam fühlt.
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Allein
Allein die Frage ist schon eine Zumutung und wie so oft wieder ein Stück weit übergriffig. Ob ich mich nicht alleine fühle, wollte sie wissen, jetzt wo es Jonas nicht mehr gibt in meinem Leben. Also wirklich, typisch Mama, hat sie gedacht und nur den Kopf geschüttelt.
Der Typ kann mir gestohlen bleiben, nach allem, was sie mittlerweile über ihn weiß. Sie bekommt ihr Leben auch ohne ihn gut hin, sehr gut sogar. Ist neulich erst befördert worden und schätzt ihre neuen Aufgaben sehr, erfährt volle Wertschätzung vom Team und von ihrer Chefin. Ist ziemlich beschäftigt, hat immer mit guten und interessanten Leuten zu tun, geht abends öfters mit Kolleg:innen noch einen trinken, zweimal die Woche ins Gym, am Wochenende trifft sie Freundinnen und war neulich sogar mal wieder bei einem Fußballspiel. Das ist schon toll, inmitten von vierundfünfzigtausend Menschen zu sitzen, mitzufiebern und anzufeuern. Leute, die sie im normalen Leben nie, niemals treffen würde. Doch für die neunzig Minuten haben alle ein gemeinsames Ziel, den Sieg ihrer Mannschaft. Für viele von ihnen ist das sicherlich so etwas wie Heimat oder Familie, und wenn manche dann abends alleine nach Hause kommen, trägt sie immer noch das satte Gefühl von Gemeinschaft.
So geht’s ihr ja letztlich auch die ganze Woche über. Ist soviel unter Menschen, dass sie super gerne auch mal alleine ist, nichts reden, nicht zuhören, auf nichts reagieren muss und einfach so vor sich hin kruscheln kann. Wie sie das genießt, wie sie das braucht. Damit müsste ein neuer Partner auf jeden Fall umgehen können ohne sich gleich abgelehnt zu fühlen.
Wer weiß, vielleicht fühlt sich ja eigentlich gerade Mama ziemlich alleine, obwohl sie immer noch gemeinsam mit Papa im alten Haus lebt. Oder auch weil, denn seit seiner Pensionierung ist er doch ziemlich leblos geworden und sitzt am liebsten nur zuhause rum. Vielleicht fragt sie sie beim nächsten Telefonat mal, ob sie sich nicht alleine oder gar einsam fühlt.