Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Allein
Hast du das allein gemacht?
Das ist ja toll. Das hast du alles allein geschafft?
Ohne fremde Hilfe? Ganz schön stark, für dein Alter.
So akkurat – hätte ich nicht gedacht.
Und später dann: das erste Mal allein zu Haus.
Allein beim Abendessen. Alles zurückgeräumt, nichts vergessen.
Keine Milch vergossen, die Haustür nachts verschlossen
- kann stolz sein auf mich.
Und dann irgendwann: allein mit der Bahn gefahren,
allein beim Zahnarzt, im Supermarkt, zwischen all den Menschenmassen.
Nach dem Weg gefragt und trotz der Dämmerung alleine nach Hause gewagt
– bin schon groß.
Und dann kam die aufregendste Zeit.
Das erste Mal verliebt, das erste Mal berührt.
Nur Zweisamkeit, weit und breit. Ab jetzt fürs ganze Leben bereit
- will nie mehr allein sein müssen.
Plötzlich der erste Streit, Unverständnis und Neid.
Und kurz darauf die Nachricht: Ich werde dich verlassen.
„Brauche Zeit für mich“, hat’s bei ihr geheißen.
Warum nicht zu zweit? Wir waren doch schon so weit.
Hab mich damals entschieden, bin erst mal allein geblieben,
Zweisamkeit auf später verschieben. Hab’s durchgezogen.
Viele Freunde und Worte, die mich dafür loben:
Wie du das machst, wie du das schaffst.
Doch dann, irgendwann, wieder das Gefühl vom Fliegen.
Erst noch zurückhaltend vorsichtig, ich bei ihr, sie bei mir.
Die alten Wunden sind noch geblieben,
nichts überstürzen, nicht übertreiben.
Aber dann bricht der Damm.
Wie schön, wie einfach doch alles ist – frisch verliebt.
Von jetzt ab nur noch zu zweit und zu viel mehr bereit.
Wir werden zusammenziehen, nicht mehr voreinander fliehen.
Einige Jahre danach, die Zeit verrinnt,
die Frage nach Ehe und vielleicht sogar einem Kind.
Aber was heißt das dann? Ob ich das überhaupt kann?
Immer füreinander bereit, nahezu bei jeder Gelegenheit.
Alles nicht mehr so wie früher. Der Stolz, es allein zu schaffen?
Irgendwie verflogen. Wo sind die, die mich dafür loben?
Doch auch die Vorsicht, zu eng gebunden zu sein, stellt sich von selber ein.
Wo ist der Mut geblieben?
Texte zum Alltäglichen -
der wöchentliche Schreibblog

Allein
Hast du das allein gemacht?
Das ist ja toll. Das hast du alles allein geschafft?
Ohne fremde Hilfe? Ganz schön stark, für dein Alter.
So akkurat – hätte ich nicht gedacht.
Und später dann: das erste Mal allein zu Haus.
Allein beim Abendessen. Alles zurückgeräumt, nichts vergessen.
Keine Milch vergossen, die Haustür nachts verschlossen
- kann stolz sein auf mich.
Und dann irgendwann: allein mit der Bahn gefahren,
allein beim Zahnarzt, im Supermarkt, zwischen all den Menschenmassen.
Nach dem Weg gefragt und trotz der Dämmerung alleine nach Hause gewagt
– bin schon groß.
Und dann kam die aufregendste Zeit.
Das erste Mal verliebt, das erste Mal berührt.
Nur Zweisamkeit, weit und breit. Ab jetzt fürs ganze Leben bereit
- will nie mehr allein sein müssen.
Plötzlich der erste Streit, Unverständnis und Neid.
Und kurz darauf die Nachricht: Ich werde dich verlassen.
„Brauche Zeit für mich“, hat’s bei ihr geheißen.
Warum nicht zu zweit? Wir waren doch schon so weit.
Hab mich damals entschieden, bin erst mal allein geblieben,
Zweisamkeit auf später verschieben. Hab’s durchgezogen.
Viele Freunde und Worte, die mich dafür loben:
Wie du das machst, wie du das schaffst.
Doch dann, irgendwann, wieder das Gefühl vom Fliegen.
Erst noch zurückhaltend vorsichtig, ich bei ihr, sie bei mir.
Die alten Wunden sind noch geblieben,
nichts überstürzen, nicht übertreiben.
Aber dann bricht der Damm.
Wie schön, wie einfach doch alles ist – frisch verliebt.
Von jetzt ab nur noch zu zweit und zu viel mehr bereit.
Wir werden zusammenziehen, nicht mehr voreinander fliehen.
Einige Jahre danach, die Zeit verrinnt,
die Frage nach Ehe und vielleicht sogar einem Kind.
Aber was heißt das dann? Ob ich das überhaupt kann?
Immer füreinander bereit, nahezu bei jeder Gelegenheit.
Alles nicht mehr so wie früher. Der Stolz, es allein zu schaffen?
Irgendwie verflogen. Wo sind die, die mich dafür loben?
Doch auch die Vorsicht, zu eng gebunden zu sein, stellt sich von selber ein.
Wo ist der Mut geblieben?